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Corona-Krise aktuell: Die Fondsboutique Torendo lanciert eine Stiftungstranche für ihren Aktien System Deutschland

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Inmitten der Nachwehen des Corona-Crashs beweist die Fondsboutique Torendo gleich zweimal Mut. Einmal legt sie eine eigens für Stiftungen konzipierte Tranche für einen Fonds auf, und dieser Fonds ist auch noch ein Aktienfonds. Natürlich weckt das zu dieser Zeit meine Neugier, denn so kurz nach einem Crash bzw. in Zeiten des Aufräumens einen Fonds für Stiftungen an den Markt zu bringen, ist schon etwas Besonderes. Wir haben einen ersten Schnellcheck für den Fonds angestellt.

Zunächst einmal gilt es wie immer bei einem neuen Fonds einen ersten Blick auf den Anbieter zu werfen. Torendo ist eine Fonds-Boutique, die sich quantitative Strategien auf die Fahnen geschrieben hat, gegründet wurde sie von den drei Vermögensverwaltern Albrech & Cie, Prometheus und Wiening & Schnierle im Jahr 2017. Vor allem Albrech & Cie. dürfte auch Stiftungen ein Begriff sein, ist diese Kölner Vermögensverwaltung doch ein alt eingesessener Name der deutschen Vermögensverwalterlandschaft. Einer der Geschäftsführer von Torendo ist Roman Kurevic, und er ist auch für einen wesentlichen Teil des Doings hinter dem Fonds verantwortlich, für den nun eine Stiftungstranche aufgelegt wurde: Er hat das Handelssystem entwickelt, auf dessen Basis Aktien gekauft und verkauft werden. Soweit so gut, Sie werden sich jetzt aber sicher schon fragen, um welchen Fonds es sich denn nun handelt, also lüften wir den Schleier. Der Fonds, für den jüngst eine Stiftungstranche aufgelegt wurde, ist der Deutsche Aktien System, dessen Basisstrategie seit 2012 erfolgreich in einem Wikifolio umgesetzt wurde.

INVESTIERT WIRD IN DER DAX-FAMILIE

Irgendwann entschieden sich Roman Kurevic und seine Kollegen dann, aus dem virtuellen einen echten Fonds zu machen nannten ihn Deutsche Aktien System und haben damit schon im Fondsnamen sehr einfach beschrieben, was der Fonds eigentlich macht. Der Fonds investiert in deutsche Aktien, genauer gesagt ausschließlich in die 160 Titel aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX, und das rein regelbasiert. Das Bauchgefühl des Fondsmanagers spielt bei diesem Fonds also keine Rolle, sondern rein das Umsetzen der Handelssignale. Übrigens werden die gekauften Titel alle gleichgewichtet im Fonds. Will eine Stiftung also in ihren Gremien einen Aktienbaustein diskutieren, dann diskutiert sie hier einen Fonds, der in die größten deutschen Aktien investiert, der dies rein regelbasiert tut und der ordentliche Erträge aus den Dividenden der gehaltenen Aktien und aus einer parallel im Fonds umgesetzten Future-Strategie generiert. Eine Stiftung diskutiert hier also über einen reinen Aktienbaustein, den sie qua Anlagerichtlinie auch berücksichtigen darf, für den ordentliche Erträge von >2% p.a. als Ziel ausgegeben werden und der diese nicht rein aus Dividenden erzielt – und dessen Strategie dieses Ausschüttungsziel bisher in jedem Jahr übererfüllt hat.

DAS MOMENTUM GIBT DIE RICHTUNG VOR

Übersetzt heißt dies auch, dass das Aktienuniversum immer das Gleiche ist, also die Belle Etage des deutschen Aktienmarktes, und hier eben nicht nach Perlen gesucht wird. Der Fonds sucht unter diesen 160 Aktien einfach nach Titeln, deren Momentum eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erwarten lässt. Erwartet das System also aus dem Momentum heraus für keinen Wert eine überdurchschnittliche Wertentwicklung, hält der Fonds folglich 100% des Fondsvermögens in Bargeld, mit dem schönen Nebeneffekt, dass in dieser Phase die Future-Strategie „gefahren“ werden kann und aus dem Aktieninvestment heraus keine Verluste entstehen können. Erfahrungsgemäß fallen die Momentumanalysen dann schlecht aus, wenn die Börsen in einer schlechten Verfassung sind –  für Stiftungen heißt das, dass das System sie insofern ziemlich gut schlafen lässt, als dass sie nicht „dabei“, wenn es an den Märkten mal richtig abwärts geht, also nicht investiert.

WER DIE SCHLECHTESTEN TAGE MEIDET, GEWINNT

Genau das ist der Charme am Deutsche Aktien System, das er genau jene Rücksetzer, die Stiftungen buchhalterisch erfassen und ggf. im Gremium erklären müssen, weitestgehend vermeiden dürfte. Eine Analyse von Torendo zeigt, woher diese Denke kommt, und die ist spannend. Hätte ein Anleger zwischen 2000 und 2020 stetig in Aktien des S&P 500 investiert, dann hätte seine Rendite bei etwa 5% pro Jahr gelegen. Hierin inkludiert sind auch alle schlechten und sehr schlechten Börsentage. Hätte der Anleger nun die fünf schlechtesten Börsentage, also jene schwarzen Tage mit den größten Abschlägen in diesen 20 Jahren, vermieden, läge seine Rendite heute bei etwa 7% p.a. Hätte er die zehn schlechtesten Börsentage vermieden, seine Rendite läge heute bei 9% p.a. Dieser Ansatz hat etwas für sich, denn er ist auch auf Verlustvermeidung oder weitestmögliche Reduktion ausgelegt, und wenn eine Stiftung risikoavers in Aktien investieren möchte, dann kommt sie an solch einem Ansatz als Baustein auf der Aktienseite eigentlich kaum vorbei. Denn konservativ wird immer noch übersetzt mit „mache keine oder nur wenig Verluste“, und dieses konservativ dürfte für viele Stiftungen in der Anlagepolitik gelten.

DAS ZUCKERL OBENDRAUF

Ansatzseitig kann hier also ein Match zwischen den Anlageerfordernissen von Stiftungen und dem Fondsansatz entstehen. Auf Seiten des ordentlichen Ertrags will der Fonds durch Dividenden und eine Future-Strategie auf DAX und Bund-Futures ein bestimmtes Ausschüttungsziel von jenseits der 2%-Marke erzielen. Es werden also ausschließlich aus freier Liquidität Long- oder Short-Positionen im Fonds aufgebaut, die rein regelbasiert auf eine bestimmte Regel bei den beiden Barometern setzen. Hieraus wird der Ertrag aus der Dividende ergänzt, um auf das Ausschüttungsziel zu gelangen. Es kann nämlich sein, dass der Fonds zum Zeitpunkt der Dividendenzahlung gar keine Aktien hält – derzeit zum Beispiel sind nur eine Hand voll Aktien im Fonds enthalten, wodurch der Ertrag durch die Dividende eher schmal ausfallen dürfte. Hier muss dann die Future-Strategie „ran“, die aber recht erfolgreich liefert, da sich Roman Kurevic und Team wirklich streng an ihr System halten und nicht versuchen, zu hasardieren und doch mal eine eigene Meinung oder Idee umzusetzen.

STEHT NUR STIFTUNGEN OFFEN

Die aufgelegte Stiftungstranche soll nun Stiftungen animieren, sich mit dem Fonds zu beschäftigen. Was gefällt ist der Umstand, dass diese rein für Stiftungen aufgelegt wurde und Stiftungen damit unter ihresgleichen investieren. Es können also nur Anleger mit NV-Bescheinigung in diese Tranche investieren. Auch dürfte der klare Fokus auf den DAX-Bereich etwas sein, was mit einem Großteil der Anlagerichtlinien deutscher Stiftungen abgedeckt sein dürfte. Denn deutsche Aktien dürften eigentlich überall investierbar sein. Dass zudem auf Experimente verzichtet wird und rein das System derjenige Motor ist, der Käufe und Verkäufe treibt, macht das Verstehen des Portfolios recht einfach. Stiftungen können zudem den Investitionsgrad gut nachvollziehen, diesen bekommen sie von Torendo jederzeit bzw. zum Monatsultimo zugeliefert, so dass die Entscheidung zu einem Investment in den Fonds stets gut begründbar sein dürfte – trotz der Sache mit den Futures. Es dürfte für Stiftungsverantwortliche allerdings nicht ganz einfach zu verstehen sein, dass neben Aktien eben auch Future-Positionen im Fonds bestehen, und wie diese Futures funktionieren.

EIN ZEITGEMÄßER ANSATZ MIT VORBILD

Gleichzeitig ist derlei ein zeitgemäßer Ansatz, um ordentliche Erträge in ausreichendem Maße zu generieren und erzielte ordentliche Erträge auch zu konservieren. Daher sind solche Ansätze im Stiftungsrepertoire zwar neu, sie dürften aber künftig ihren Platz bekommen neben reinen Aktienfonds. Hierzu kann auch beispielhaft der in der FondsFibel für Stiftungen & NPOs analysierte Morgan Stanley Global Equity Income als Vergleich herangezogen werden, dessen ordentliche Erträge auch zur Hälfe aus Dividenden und zur anderen Hälfte aus einer konservativ aufgesetzten Optionsstrategie resultieren. So etwas ist ein Mittel der Zeit, um ordentliche Erträge auch für Stiftungen zu generieren, und es ist in Bausteinen angewandt sicherlich eine Ergänzung des Mix auf der Seite der Investmentansätze. Spekulation ist es nicht.

DER TORENDO DEUTSCHE AKTIEN SYSTEM IM SCHNELL-CHECK

Typ: Aktienfonds mit Long-/Short-Komponente
Anlagepolitik: Regelbasierte Aktienauswahl aus dem Universum von DAX, MDAX, SDAX und TecDAX auf Basis des Momentumausblicks für die einzelnen Aktien, ergänzend ebenfalls regelbasierte Long-/Short-Strategie für DAX- und BUND-Future
Leistungsnachweis der Strategie: >2 Jahre auf Fondsbasis, >8 Jahre auf Wikifolio-Basis
Ziel für Ordentlichen Ertrag: >2% pro Jahr – bisher haben die Strategie bzw. der Fonds dieses Ziel in jeden Jahr übererfüllt
Stiftungstranche: JA, nur Anleger mit NV-Bescheinigung können in diese Tranche investieren
Stiftungsspezifische Informationspolitik: JA, es wird eine eigens für Stiftungen konzipierte Website geben, diese ist gerade in Vorbereitung. Hier werden alle Informationen hinterlegt sein, die für Stiftungen relevant sind
Kosten: Managementgebühr im Durchschnitt; leider Performance-Gebühr, die aber mit einer Hurdle-Rate von 6% sehr fair gehandhabt wird (allerdings stellt sich die Frage, ob Performance-Gebühren bei Stiftungen noch passend oder übergeordnet ein Auslaufmodell sind)

ZUSAMMENGEFASST

Mit dem Torendo Deutsche Aktien System wagt sich ein weiterer Fonds mit einer Stiftungstranche an den Markt. Diese ist ausschließlich für Stiftungen bzw. Anleger mit NV-Bescheinigung vorgesehen, erfüllt zudem bislang die Erfordernisse nach ordentlichem Ertrag und nachvollziehbarer Anlagepolitik. Dass das Anlageuniversum zudem die deutsche Belle Etage ist, also die vier großen DAX-Segmente, kann auch so etwas sein wie ein Statement seitens Torendo, dass eben der deutsche Aktienmarkt als Investmentuniversum wunderbar passt, auch und speziell für Anleger mit besonderen Anforderungen wie eben Stiftungen. Der Fonds liefert rein regelbasiert, für Aktien- und Future-Strategie, bis jetzt sind die Ergebnisse überzeugend – was noch fehlt ist der Internetauftritt mit den auf Stiftungen zugeschnittenen Informationen. Und die Performance-Gebühr, nun ja, ob diese noch zeitgemäß ist, ich habe da meine Zweifel, aber darüber lässt sich bekanntlich streiten.