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Stiftungsvermögen und die Generation 2%

Warum Management von Stiftungsvermögen andere Anlageziele (=eine Mission 6%) braucht

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Mission 6 Prozent
Lesezeit: 5 Minuten

Deutsche Stiftungsvermögen werden zu oft nur verwaltet. Sie müssten gemanagt werden, aber allein kann Stiftungsvermögen eben nicht in die Spur kommen. Es braucht die Menschen dahinter, die die Weichen im und für das Stiftungsvermögen richtig zu stellen imstande sind. Uns treibt die Frage um, ob es so etwas wie die Generation 2% gibt, die eben durch die Umstände so geprägt ist, Stiftungsvermögen mit dem Hauptaugenmerk „sicher“ anzulegen, statt ein wenig mehr auf das Wörtchen „ertragreich“ zu setzen. Eine Zeitreise, zurück und nach vorn.

Der aktuell noch laufende Stiftungsboom entstand im Jahr 2000. Bis zu diesem Jahr hatte sich der Stiftungssektor mit seinen 10.000 Stiftungen eingerichtet, das Stifterland Deutschland war BRD-geprägt. Es gab im Sektor nur wenig Dynamik, einzig der Blick zurück auf die Zeit, als Deutschland noch das Land der 100.000 Stiftungen war, implizierte, dass eine neue Blüte durchaus möglich ist. Durch einige gesetzliche Änderungen nahm dann aber ein neuer Stiftungsboom seinen Lauf, der bis heute anhält. Die Entscheider in den seit diesen Tagen errichteten Stiftungen und auch jene Stiftergeneration war vor allem geprägt noch von den „alten“ Prämissen des Stiftungskümmerns, und auch von den 90ern, in denen in Deutschland Neuer Markt-Euphorie herrschte, die jedoch mangels Erfahrung und Durchhaltewillen in sich zusammenbrach. Aber diese Zeit machte in unseren Augen etwas mit den Menschen, die hernach mit Vermögensverantwortung betraut wurden.

Die 90er Jahre haben die deutsche Aktionärsseele bewegt

Die 90er, jene Goldenen Jahre, in denen Manfred Krug die Telekom-Aktie anpreiste, die durch ihre anfänglichen Kurszuwächse für so manchen Boom bei Küchenausstattern sorgte. Neuemissionen schafften es wie die Formel 1 auf Seite 1 der Tageszeitungen, Deutschland einig Aktionärsland. Asien-, Russland- und LTCM-Krise jedoch mahnten die Einbahnstraßenfahrer bereits. Der Zusammenbruch dann erwischte die Deutschen just in dem Moment, in dem sie an ihre Küste als Anleger zu glauben begannen. Umso schmerzlicher war der Absturz, der viele Neuaktionäre der Illusion beraubte, Aktien seien einfach zu handhabende Reichmacher. Der 11. September 2001 tat ein Übriges, jener Generation von Anlegern etwas einzuträufeln, was sich durchaus auch als Aktienscheuklappe beschreiben ließ. Mit jedem Tag, an der DAX tiefer rauschte, entschwand das in den 90er Jahren gewonnene Selbstvertrauen, mit Aktien so hantieren zu können wir andere Anlagevölker.

Demut sich zu Eigen gemacht haben nur Wenige

Dieser Boom und Bust-Zyklus hat etwas mit den Menschen gemacht, mit den Anlegern hierzulande. Aber es gab einen Unterschied. Eine kleinere Gruppe der deutschen Anleger wurden demütig, sie lernten jene Demut, die Du an der Börse für den langfristigen Erfolg brauchst. Du darfst nicht denken, dass drei erfolgreiche Investments Dich zum besten Anleger aller Zeiten machen, und Du musst akzeptieren, dass Börse eben kein en passant-Geschäft ist. Gewinne kommen nicht zufällig vorbei, Kapitalerhalt ist kein Nichts-tun-Konzept, sie sind das Ergebnis harter Arbeit, bei der man sich aber vom Getöse der Tagesmeldungen freimachen muss. Einige haben das anfangs der 200er Jahre verstanden. Die Mehrheit der deutschen Anleger hat jedoch wieder „The German Angst“ für sich wiederentdeckt. Es hieß, man habe es ja immer gewusst, dass Börse nur etwas für Spekulanten sei, und dass man bei Geld lieber abseits der Börse hantiert. Die 90er und die 2000er Jahre muss man im Komplex sehen, um zu erklären, warum in Deutschland teilweise so angelegt wird wie eben angelegt wird.


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Stiftungsvermögen und die Angst davor, Fehler zu machen

Es regierte die Angst davor, erneut Fehler zu machen, es regierte die Erkenntnis, dass Aktien nichts für Stiftungen seien. Der Aktienmarkt sei zu unberechenbar, wenn schon Aktien dann maximal 10 oder 20 oder 30%. Irgendwann verstieg sich mal ein Experte dazu, zu behaupten, Stiftungen dürften zu maximal 30% in Aktien investieren (ich habe solch einen Vortrag auf einem Stiftungstag in den 2010er Jahren noch live erlebt). Das war dann Gesetz, legitimiert durch eben jene Erfahrungen aus den 90er und 2000er Jahren. Das war stimmig, das war schlüssig, und es wurde in der Leitungsgeneration in deutschen Stiftungen auch quasi unverrückbar. Was sich hier mit einschlich, war eine 2%-Haltung. Wer 4% Anlageziel auslobte, der wurde kopfschüttelnd angeschaut, mit 2% als Zielmarke für den ordentlichen Ertrag fiel man weniger auf. Die Ambition war nicht, aus Stiftungsvermögen das Mögliche herauszuholen, sondern so sicher wie möglich anzulegen. Die Generation 2% war geboren.

Mission 6% heißt für Stiftungsvermögen, gemanagt zu werden

In den vergangenen 25 Jahren wurde Stiftungsvermögen vor allem verwaltet, was aber auch reichte, denn für 2% pro Jahr an ordentlichem Ertrag braucht es nichts zu managen, auch bei Niedrigzins nicht. Da reicht es, der Vermögenssphäre die Verwaltungs-DNA einzuimpfen. Ein 2%iges Ertragsziel bedeutet, dass das Verwalten des Stiftungsvermögen ausreichend ist. Gebe ich mir jedoch ein Ertragsziel mit bspw. 6%, möchte also 6% ordentliche Erträge im Jahr erzielen, dann reicht Verwalten nicht mehr, Dann musst Du in Deiner Stiftung Vermögen managen. Aber die Generation 2% tut sich damit schwer, das ist an den Anlageergebnissen vieler Stiftungen abzulesen. Die Generation 6% diversifiziert, delegiert, dokumentiert, hält das gewählte Anlagekonzept durch, nutzt dazu Anlagerichtlinie, Anlagekonzept und Anlageuniversum, kennt Vorbilder, die es nicht nachzuahmen gilt, die aber Inspiration liefern können. Vor allem aber ist die Generation 6% – und das ist jene Entscheider-Generation, die Stiftungen in den nächsten 25 Jahren führen wird – mit einer neuen Verfasstheit von Sicherheit befasst, bildet hier neues Selbstverständnis aus.

Die Generation 6% steht in den Startlöchern

Sind Anleihen wirklich noch sicher, können oder sollen Stiftungen also um jeden Preis auf die Versprechen eines Staates schauen? Sind sichere Häfen noch jene, die sie bisher waren? Sind Anlageräume wie de USA immer noch jene, in denen man investiert sein muss? Sind Anlageuniversen, wie wir sie kannten, immer noch so investierbar wie bisher? Und sind die politischen Netzwerke, die wir kennen und schätzen, noch jene in denen wir uns künftig bewegen werden? Es gibt hinsichtlich Sicherheiten keine Denkverbote mehr, was sich auf die Kapitalanlagen von Stiftungen maximal auswirken kann. Sind dann alte Muster noch jene, mit denen sich neue Ertragsziele erreichen lassen? Eher weniger, und die Generation 6%, die sich gerade auf den Weg in die Schaltzentralen der Stiftungsgremien macht, weiß das bereits. Die Generation 6% ist jene, die ob dieses Wissens für das Fortführen der Stiftungsblüte immens bedeutend sein wird.

Mission 6% ist eine „Mission ertragreich“

Denn damit diese Stiftungsblüte weiterträgt, muss von jeder Stiftung verlangt werden, ihre Wirtschaftskraft zu erhalten bzw. zu verbessern. Jede Stiftung muss resilienter werden qua Kapitalkraft, ein Sturm an den Börsen darf sie nicht umhauen. Nein, ein Sturm an der Börse muss für eine Stiftung bedeuten, Chancen nutzen zu können. Früchte ziehen können Stiftungen nur, wenn sie vorher gesät haben, und ihnen stehen für dieses Säen alle Türen offen. Die Generation 6% muss das erkennen, und danach handeln. Stiftungsvermögen darf nicht länger auf Girokonten verschimmeln, Stiftungsvermögen muss in die besten Fondslösungen investieren können, Stiftungsvermögen braucht das institutionelle Besteck. Stiftungsvermögen muss aber eben auch entstaubt werden von der 2% Doktrin oder dem 30%-Aktien-Mantra, diese Ziele passen nicht zur Verantwortung, die jede einzelne Stiftung hat, und diese (oder eine niedrigere) Aktienquote passt nicht mehr zur Realität, in der Stiftungen heute agieren.

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Zusammengefasst

Generation X, Y oder Z haben sich als Begriffe eingeprägt, um generationelle Klammern zu setzen. Sprechen wir nun über künftige Stiftungsverantwortliche, dann kommt einem hier die Generation 6% in den Sinn. Eben jene Generation von Stiftungslenkerinnen und -lenkern, die Stiftungsvermögen nicht mehr nur verwalten, sondern stattdessen managen wird. Diese Generation 6% will das Mögliche und wird dies mit dem Machbaren verbinden. Jene Generation 6% wird Stiftungsvermögen aber auch transparenter nach außen darstellen, wird die Profession hinter dem Stiftungsvermögen zu einem Ankerpunkt etwa für Großspender machen. Nicht zuletzt wird die Generation 6% mit Mythen rund ums Stiftungsvermögen aufräumen – und der Generation nach ihr diese Mission 6% als DNA für das Vermögensmanagement einer Stiftung einpflanzen. Denn dass dies (also den Fokus auf „ertragreich“ zu legen) gelingen kann, wird die Generation 6% zu diesem Zeitpunkt bewiesen haben. Ebenso, dass wenn auf der Einnahmeseite mehr gelingt, das Gelingen auf der Ausgabenseite auch leichter fällt – und dem Kritikwind gegenüber der Stiftungslandschaft damit auch ein paar Beaufort fehlen. So ist das mit Zeitreisen, Vieles kann passieren, Manches wird passieren. Aber so bleiben wie es ist, das wird nicht passieren.

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Tobias Karow
ist Gründer und Geschäftsführer von stiftungsmarktplatz.eu und im Stiftungswesen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein seit 10 Jahren aktiv. Er ist Herausgeber der FondsFibel für Stiftungen & NPOs, dem führenden Nachschlagewerk für Stiftungsfonds und stiftungsgeeignete Fonds (www.fondsfibel.de), Vorträge hält er vor allem zum Thema ‚Stiftungen und ihr Weg in die digitale Welt‘. Für beide Themen betreibt er den Blog #stiftungenstärken.