Stiftungsvermögen braucht die Aktienquote

#vtfds Spezial: 6 Fragen an Thorben Pollitaras, Comgest Deutschland

77
Interview mit Thorben Pollitaras
Lesezeit: 2 Minuten

Na klar, jede Stiftung würde es für ihr Stiftungsvermögen unterschreiben, die Aktienquote gehört ins Stiftungsvermögen. Stiftungsvermögen ohne Aktienquote ist wie Fahrrad ohne Pedale. Dabei stellen sich aus Stiftungssicht drei Fragen, und über genau die haben wir mit Thorben Pollitaras von Comgest Deutschland in einem vtfds-Vorab-Interview gesprochen. Wir lernen: Aktie ist nicht gleich Aktie, und Stil ist nicht gleich Stil.

stiftungenstärken: In Ihren Augen stehen Stiftungen bei der Aktienanlage vor genau drei Fragen. Welche sind das?

Thorben Pollitaras: Genau. Erstens stellt sich für viele Stiftungen nicht die Frage, ob sie in Aktien investieren wollen, sondern nur mit welchem Anteil. Stichwort: realer Kapitalerhalt.

stiftungenstärken: Wichtig ist dabei, Aktien nicht nur in homöopathischen Dosen ins Stiftungsvermögen einzubauen, das legen zumindest Erfahrungen nahe.

Thorben Pollitaras: Es liegt mir fern, genaue Gewichtungen vorzuschlagen, aber es gehört eine Aktienquote in die meisten Stiftungsvermögen, so viel möchte ich an der Stelle sagen. Interessant ist auch – Frage zwei –, ob ich dann aktive oder passive Strategien bevorzuge. Sicher bin ich befangen, aber aktive Strategien können Vorzüge haben – und die Ergebnisse bestimmter Strategien sprechen für sich. Für viele Stiftungen macht es dann wohl Sinn, solche Strategien zu kennen und auf ihre Eignung für das eigene Portfolio zu untersuchen.

vtfds2024

stiftungenstärken: Und was ist die dritte Frage zur Aktienanlage, die sich Stiftungen stellen sollen?

Thorben Pollitaras Die dritte ist jene nach dem Stil. Wir stehen für Quality Growth, also Aktien von Unternehmen, die Gewinn machen und deren Wachstum beständig ist. Es gibt einfach Unternehmen, die langjährig zeigen, dass ihr Geschäftsmodell immer wieder neue Wachstumsimpulse setzt.

stiftungenstärken: Genau solche Aktien gilt es aber auch lange zu halten.

Thorben Pollitaras: Das schon, auf jeden Fall, aber es ist auch eine Frage der Positionsgröße. Diese gilt es zu managen, und genau das tun wir auch. Wenn ein Titel zwischendurch mal abtaucht, und genau dieses Abtauchen geschäftpolitisch nicht gerechtfertigt ist, dann kann Nachkaufen eine gute Idee sein. Im anderen Fall wird gegebenenfalls getrimmt. Über die Gewichtung der Einzeltitel im Fonds erfolgt also eine aktive Bewirtshaftung, über die Mehrerträge erzielt werden können. Zusammengefasst sind diese drei Kernbotschaften – welche Aktienquote, aktiv vs. passiv und welcher Stil – unverändert.

#vtfds-TIPP:
Mit Thorben Pollitaras werden wir beim 5ten Virtuellen Tag für das Stiftungsvermögen zur Aktienquote im Stiftungsvermögen sprechen, am 12.6.2024 im Slot ab 12:30 Uhr.


stiftungenstärken: Da steckt dann auch die Resilienz dieses Ansatzes im Verhältnis zum Marktgeschehen drinnen, beobachten wir das richtig?

Thorben Pollitaras: An den Märkten sehen wir immer unzählige Unwägbarkeiten, dem können nur ganz bestimmte Geschäftsmodelle trotzen, zumindest ist es das, was wir seit Jahren bzw. Jahrzehnten sehen. Ein Modekonzern wie zum Beispiel Hermes versteht es eben, tolle Produkte mit einem tollen Marketing zu einem tollen Preis zu verkaufen und Menschen dazu zu bringen, sich in Wartelisten einzutragen. Solche Unternehmen zu finden ist das eine. Hinzu kommt, nachzuvollziehen, wo das Wachstum in 4 oder 5 Jahren liegen kann. Das ist es, was uns interessiert.

stiftungenstärken: Wir sagen DANKE, dass Sie sich Zeit für das Gespräch genommen haben und auch wieder als Protagonist beim 5ten Virtuellen Tag für das Stiftungsvermögen mitwirken.

Das Interview führte Tobias Karow.