Stiftungsvermögen anlegen ist Pflichtprogramm eines jeden Stiftungsvorstands oder Geschäftsführers einer Stiftung. Pflicht ist dabei immer etwas gefühlt Lineares, das wiederum so gar nicht zu erratischen Marktgeschehen passt. Das aktuelle Marktgeschehen bzw. das Drumherum als erratisch zu beschreiben, den Rahmen drumherum als Epoche des neuen Erratizismus zu überschreiben, das ist vermutlich nicht zu weit hergeholt. Stiftungsvermögen muss angesichts dessen aber dennoch vor allem eines: Es muss ordentliche Erträge liefern. Zuverlässig, planbar, auskömmlich. Ein Blick auf die Ausschüttungsspezifika mancher Stiftungsfonds kann daher derzeit sehr sinnvoll sein.
Eventuell kennen Sie noch die eine Werbung aus den 80er Jahren, eine Werbung der Deutschen Bahn. Eine Lok der Baureihe 103, der legendären, wir man hinzufügen muss, pulverisiert einen Schneehaufen, der sich auf einem Gleis auftürmt (oder dort für die Aufnahme platziert wurde). Sie durchbricht ihn, knallt einfach durch, überwindet das Hindernis. Selbst wenn es schneit, die Technik und damit auch die Deutsche Bahn kann das nicht aufhalten. Der Slogan dazu, Die Bahn fährt. Immer. Ok, waren die 80er, aber die Metapher dahinter formte und formulierte einen Anspruch, der sich durchaus auch auf Stiftungsvermögen anno 2026 übertragen lässt. Stiftungsvermögen liefert, egal was da an den Märkten und in der Politik passiert – vorausgesetzt es ist so aufgestellt (das ist der Technik-Aspekt), dass es Wirren und Unsicherheiten einfach abschütteln kann. Beziehungsweise das marktliche Verwerfungen an ihm, dem Stiftungsvermögen, abperlen.


PODCAST
„Stiftungsfondsgedanken“
Stiftungsvermögen im Netz der Ertragsströme
Für Stiftungsvermögen bedeutete das Ertragsströme, auf die sich die Stiftungsverantwortlichen verlassen können. Das sind Zinsen, Dividenden, Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, vermögensverwaltende Einkünfte etwa aus energiebezogener oder auch maritimer Infrastruktur. So weit so gut. Die Erwartung hier seitens einer Stiftung muss sein: „Das muss kommen, ich muss planen können.“ Jetzt haben Vergangenheitswerte das Problem, dass sie vergangen sind und sich eben nicht eins zu eins auf die Zukunft fortschreiben lassen. (verlinken auf https://stiftungsmarktplatz.eu/blog/stiftungsvermoegen-meets-kahnemann-und-tversky/) Umso wichtiger ist es für Stiftungsverantwortliche, sich mit der Zukunft dieser Erträge zu befassen. Am Beispiel der Stiftungsfonds lässt sich einmal durchexerzieren. Diese Fonds kehren in der Regel Erträge aus, die aus Zinsen und Dividenden resultieren, manchmal noch ergänzt um Erträge aus Optionsstrategien, die den Ertragsfluss dann auch noch einmal eine Spur robuster machen.
LeseTipp:
Lesen Sie, was #fondsfibel Chefredakteur Stefan Preuß zur aktuellen Gemengelage an den Börsen denkt und inwiefern Stiftungen balancieren sollten zwischen Agieren und Reagieren.
Schaut auf die Ausschüttungsreserve
Bei Stiftungsfonds sprechen wir beispielsweise über den Spiekermann Stiftungsfonds, den Hansen & Heinrich Stiftungsfonds oder den FVM Stiftungsfonds. Auch der Fonds Prisma Aktiv verfügt über das, was es braucht, um bei den Erträgen als Stiftung richtig planen zu können. Das Zauberwort heißt hier Ausschüttungsreserve. Denn hohe Ausschüttungen sind eine tolle Sache, aber dauerhaft maximale Ausschüttungen bergen ein gewisses Maß an Vulnerabilität in sich, wenn die Märkte eher mal nicht mitspielen. Die benannten Fonds gehen hier einen anderen Weg. Sie schütten ein vertretbares Maß an ordentlichen Erträgen aus, mit denen Stiftungen im Hier und Jetzt planen können. Sie häufen aber eben auch Rücklagen an, mit denen das Ausschüttungsniveau, das aktuell leistbar ist, auch 3, 4 oder 5 Jahre nach vorne gewährleistet werden kann. Was bedeutet das nun für Stiftungen im jeweiligen Stadium der Vermögensbewirtschaftung? Wir deklinieren es einmal durch.
- Eine Stiftung ist in einem der Stiftungsfonds als Alleinanlage investiert. Sie erhält zum Ausschüttungstermin die Ausschüttungen, die der Stiftungsfonds für das Jahr leisten kann. Ein Blick in die Ausschüttungshistorie gibt hier eine klare Indikation, was vom Fondskonzept her leistbar ist. Dies ist keine Garantie, taugt aber als Indikation und unterfüttert eine Projektion. Die Ausschüttungsreserve hat sie quasi bereits in der Hinterhand, sofern sie den Fonds bzw. dessen Anteile auch entsprechend hält.
- Eine Stiftung ist in einem der Stiftungsfonds im Rahmen eines Portfoliokonzepts investiert. Es gilt das, was wir unter 1) analysiert haben, verbunden mit dem Hinweis, dass Portfoliokontext immer heißt, die Allokation als permanent zu überprüfen dahingehend, ob die einzelnen Bausteine so Performanz-Niveau zeigen, für das sie ins Portfolio aufgenommen wurden. Ausschüttungshistorie und Ausschüttungsreserve sind hier einem Vergleich zu unterziehen, ob die Auskehrungen des Fonds noch ausreichend auf das definierte Anlageziel einzahlen. Es kann hier sein, dass der Fonds so performant ist wie gedacht, dass es aber zwei Alternativen gibt, die noch performanter sind, etwa bei der Auskehrung, daher entsteht an diesem Punkt ggf. eine Diskussion um den Ersatz des Fonds. Die Ausschüttungsreserve kann hier dann ein ausschlaggebendes Moment sein.
- Eine Stiftung hat bisher noch nicht in bspw. einen der Fonds investiert. Ihre Überlegung kann dann auf zweierlei Ebenen stattfinden. Kann der Fonds mit den ordentlichen Erträgen, die er produziert, meine Ziele erreichbar machen? Und kann ich mir die Ausschüttungsreserve vielleicht durch den Kauf von Anteilen des Fonds direkt mit zu Nutze machen? Oftzmals sehen sich Stiftungen ja mit Nullrücklagen konfrontiert, oftmals ist einfach kein Speck am Knochen, der Umschichtungstopf ist leer. Hier kann es dann eine Idee sein, sich die Ausschüttungsreserve eines Fonds implizit zu Eigen zu machen. Hält eine Stiftung dann den Fonds über Jahre, hat sie auch die Sicherheit, dass die Auskehrungen wie prognostiziert kommen, da sie ggf. auch aus der Ausschüttungsreserve gespeist werden können. Das Fortführen auf der Zweckseite kann damit aus dieser Quelle positiv unterlegt werden.
Was bleibt für das Stiftungsvermögen von „ertragreich und sicher“ noch übrig?
Es ist bei Fonds eben nicht so, dass Stiftungsfonds gleich Stiftungsfonds ist, und dass Ausschüttung gleich Ausschüttung ist. Stiftungen brauchen hier nur ein bisschen genauer hinschauen, und bekommen durch die Hintertür ein strategisches Moment an die Hand, das sie so vorher nicht hatten. Die vorhandene Ausschüttungsreserve eines Stiftungsfonds oder stiftungsgeeigneten Fonds von vorn herein in den Aufsatz eines Fondsportfolios sowie das strategische Ausrichten dessen einzubeziehen, dürfte künftig noch weitaus mehr zum Sorgfaltsbesteck von Stiftungsverantwortlichen gehören. Warum? Weil bei ertragreich und sicher das „sicher“ quasi weggebrochen ist, für uns stellt das eine wesentliche Änderung der Verhältnisse dar, die zumindest wahrgenommen werden muss. Wird sie nicht nur wahrgenommen, sondern danach gehandelt, muss das „ertragreich“ zum zentralen Ankerpunkt des Doings im Vermögensmanagement einer Stiftung werden. Hier müssen dann Überlegungen einfließen, die auch Ertragsreserven mit einbeziehen. Das verlangt nicht irgendwer, sondern die Sorgfalt.

Zusammengefasst
Stiftungsvermögen zu managen, ist keine Raketenwissenschaft, aber n bisschen Arbeit ist es schon. Sich die Arbeit zu machen, bei Stiftungsfonds und ausschüttenden stiftungsgeeigneten Fonds auf die Ausschüttungsmechanik und die Ausschüttungsreserve zu schauen, das gehört hier dazu. Es gilt, sich zu vergegenwärtigen, dass Ausgaben auf Einnahmen beruhen, und dass Ausgabenpläne aus Ertragsverlässlichkeit resultieren. Ausschüttungsreserven von Fonds haben das Schöne an sich, dass sie als Teil der Ausschüttungspolitik eines Fonds leicht zu erfragen sind, und dass sie das Fortführen der Aktivitäten auf der Ausgabenseite unterfüttern. Sorgfältig zusammengetragen geben sie Stiftungen bzw. Stiftungsverantwortlichen Optionen an die Hand. Von diesem wiederum kann man in einer erratischen wie unberechenbaren nicht genug haben. Oder nehmen wir doch den Werbeslogan der Bahn aus den 80ern noch einmal auf, Sie erinnern sich, das Durchschweißen der 103 durch den Schneehaufen. Übersetzt auf Stiftungen wäre es doch toll könnten wir sagen: Der Ertrag kommt immer.











