Öko und Grün ist nicht alles…

#vtfds2021 – die Nachlese: Warum es sich für eine zeitgemäße Verwaltung des Stiftungsvermögens lohnt, mehr als nur „grün“ zu investieren

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vtfds2021 - Nachlese - Öko und gut
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#vtfds2021 – die Nachlese: Grün anlegen ist schon mal ein guter Anfang. Darüber hinaus gibt es jedoch noch so viel mehr: Was für Stiftungen über den Tellerrand der grünen Nachhaltigkeit von Bedeutung ist und wie eine zeitgemäße Verwaltung des Stiftungsvermögens aussieht, darüber diskutierten Harald Brockmann (Missionszentrale der Franziskaner), Immo Gatzweiler (AXA Investment Managers) und Markus Hill (fondsboutiquen.de).

DAS „MEHR“ IN DER ANLAGE DES STIFTUNGSVERMÖGENS

Angesichts der vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit, wie jüngst das erneute Aufkeimen des Konfliktes zwischen Israel und Palästina, können Stiftungen mehr bewirken, als schlicht „grün“ zu investieren, so Harald Brockmann. Seit 2009 gibt es für Privatanleger und Stiftungen die Möglichkeit, in die terrAssisi-Fonds des Franziskaner-Ordens investieren. Das Hilfswerk des Ordens betreut mittlerweile rund 700 Projekte aus über 84 Ländern. Die DNA des Ordensbegründers Franz von Assisi findet sich in den Hilfsprojekten wie auch in der terrAssisi-Fondsfamilie wieder: Diese berühren fast alle Nachhaltigkeitsziele der UN, von der Umwelt über die Mitwelt, wie den Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und der Menschenwürde. Der Orden wurde zum Wegbegleiter und Mitbegründer des Frankfurt-Hohenheimer Leifadens, welcher strenge Kriterien für ethisch-nachhaltige Investments definiert. Dieser ist auch die Grundlage der Research- und Rating-Agentur der ISS-ESG, deren Nachhaltigkeitsanalysen für die Aufstellung die terrAssisi-Fonds verwendet werden.

VIDEOTIPP: Den kompletten Stream des zweiten Virtuellen Tags für das Stiftungsvermögen im RE-LIVE sowie die Mediathek zum #vtfds2021 finden Sie auf www.vtfds.de.

NEUER FOKUS FÜR DAS STIFTUNGSVERMÖGEN

Zur Horizonterweiterung im Stiftungsvermögen legt Markus Hill mittelgroßen und kleineren Stiftungen nahe, sich möglichst anbieterunabhängig beraten lassen oder zumindest verschiedene Banken zu vergleichen. Nach einer guten Beratung versteht man, in was mit dem Anlageprodukt investiert wird. Es lohnt sich somit, konkrete Fragen zu stellen. Werden durch die Beratung gängige wie elaboriertere Anlagestrategien verständlich aufbereitet? Wenn man sich vor der Beratung ein paar Fragen bezüglich der Anlagestrategie zurecht legt, bannt man die Gefahr, blind etwas einzukaufen. Außerdem ist es ratsam, nicht nur auf die Performance zu gucken. Die Rendite ist der Hygienefaktor des Stiftungsvermögens, darüber hinaus kann das Stiftungsvermögen aber auch mehr, Stichwort „Impact Investment“.

EIN KERN AN NACHHALTIGKEIT

„Grün und Öko“ ist keine alleinstehende Anlagestrategie. Immo Gatzweiler erklärt, dass die Anlageprodukte von AXA Investment Managers für Stiftungen bereits einen Kern an Nachhaltigkeit aufweisen, der sich aus bestimmten Ausschlusskriterien wie Investitionen in Palmöl oder Tabak ergibt. Darauf aufbauend wird das Stiftungsvermögen nach den individuellen Vorstellungen der jeweiligen Stiftung aufgestellt. Gefragt wird: Was darf es sein? Was muss nicht unbedingt sein? Es gibt somit kein „One-Size-Fits-All“ in der Anlage des Stiftungsvermögens – jede Stiftung hat ihre eigenen Ziele und Wertvorstellungen, die sich auch im Stiftungsvermögen widerspiegeln sollten.

RENTENANLAGEN: GIBT ES NOCH EINE CHANCE AUF RENDITE?

Das ewige Thema der Staatsanleihen: Sollte man noch oder sollte man es lieber lassen?

AXA-Stiftungsexperte Immo Gatzweiler rät dazu, Rentenanlagen nicht pauschal als totes Vehikel für das Stiftungsvermögen zu verdammen. Auch innerhalb dieser Anlageklasse ergeben sich Chancen: Diversifikation ist das Stichwort. Anleihen sogenannter „Emerging Markets“ oder auch bislang wenig beachteter „Developed Markets“ können eine zumindest geringe, aber dafür nachhaltig-positive Rendite generieren. „Denn auch gewünschte Nachhaltigkeitskriterien lassen sich auf Länder- wie auf Unternehmensebene übertragen, sodass hierbei keine Abstriche gemacht werden müssen.“, gibt Gatzweiler Stiftungsverantwortlichen noch einen wichtigen Hinweis an die Hand.

PODCAST-TIPP: Gemeinsam mit Immo Gatzweiler von AXA Investment Managers haben wir für unsere FondsFibel in einer vierteiligen Podcastreihe praktische Tipps zur Rentenanlage für Stiftungen zusammengetragen, und auch Argumente, die nach wie vor für die Anleihe als Stiftungsinvestment sprechen.

DIVERSIFIZIEREN, DOKUMENTIEREN, DELEGIEREN

Eine Stiftung soll stiften. Fraglich ist jedoch, inwieweit sich die Stiftungsverantwortlichen mit Finanz- und Wirtschaftsfragen auskennen sollten. Da viele Stiftungen mittlerweile in Verbrauchsstiftungen umgewidmet werden, weil sie mit ihrer bisherigen Anlagestrategie keine positive Rendite mehr erwirtschaften konnten, sollten sich die Stiftungsverantwortlichen mehr mit den Fragen rund um das Stiftungsvermögen beschäftigen, rät Markus Hill. Kleine und mittelgroße Stiftungen sollten kritisch hinterfragen und sich gut beraten lassen, wie bereits oben dargestellt. Große Stiftungen profitieren davon, ihre Netzwerke zu pflegen. Jedenfalls sollte man sich nicht mit einem „grünen“ Anlageprodukt zufriedengeben, wenn das Stiftungsvermögen einen weitreichenden Effekt erzielen soll.

ZUSAMMENGEFASST

Nur „öko“ und „grün“ zu investieren, schöpft bei Weitem nicht das volle Potential für das Stiftungsvermögen aus. Die drei Learnings aus der Diskussion beginnen sicher damit, über den Tellerrand zu blicken, aber nicht nur bei den Anlageklassen und -regionen, sondern auch hinüber zu anderen Stiftungen. Dann lohnt es sich immer, sich von der reinen Performancebetrachtung zu lösen und das Stiftungsvermögen nach dem Ausschüttungsprofil der einzelnen Bausteine zusammenzustellen, in erster Linie jedenfalls.

Schließlich sollten sich Stiftungen bewusst sein, dass eine nachhaltige Anlagestrategie vielfältig ausgestaltet werden kann, und dass es keine Schande ist, sich hier Schritt für Schritt vorwärts zu bewegen. Aber vorwärtsbewegen und schauen, das zählt im Stiftungsvermögen, der Blick zurück verstellt oft den Blick auf zeitgemäßes Vermögensmanagement. Es gilt eben das Motto des zweiten Virtuellen Tags für das Stiftungsvermögen: Wer im Stiftungsvermögen nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.