Die Mauer ging, der Merck Finck Stiftungsfonds kam

Zum Tag der Stiftungen: Eine Meinung dazu, wann ein Stiftungsfonds seiner Zeit voraus ist und wann er seiner Zeit hinterherhinkt

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Die Mauer ging der Merck Finck Stiftungsfonds kam
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Als am 3ten Oktober 1990 die DDR dem Grundgesetz der Bundesrepublik beitrat, war der Merck Finck Stiftungsfonds gerade zwei Tage alt – und seiner Zeit ein gutes Stück voraus. Damals war von einem neuen Stiftungsboom in Deutschland noch keine Rede, und Anlegen in stiftungsgeeigneten Mischfonds, das war auch noch etwas, was viele Stiftungen nicht auf dem Zettel gehabt haben dürften. Meiner Meinung lässt sich aber am Verblassen des Frontrunner-Status des Merck Finck Stiftungsfonds erkennen, wo Stiftungsfonds heute ihrer Zeit ein Stück hinterher sind.

Die Leistungsdaten des Merck Finck Stiftungsfonds sind schlichtweg beeindruckend. Neben Ausschüttung und Wertentwicklung ist es allein das jährige Bestehen, dass Stiftungen überzeugen muss. Die lange Historie macht jede Argumentation, den Stiftungsfonds für das Stiftungsvermögen zu kaufen, schlüssig. Stiftungsverantwortliche müssen ja erklären bzw. nachvollziehbar machen, warum sie dieses oder jenes Investment gekauft haben bzw. kaufen werden, uns eine lange Historie macht derlei belastbar. Selbst im Vergleich zu anderen Stiftungsfonds ist das einfach ein Alleinstellungsmerkmal, das kein anderer zu bieten hat.

SEINER ZEIT VORAUS MIT 70 ZU 30

Anfangs konnte eine 70zu30-Allokation auch ordentlich reüssieren, denn der Zins lang in den 90ern bei über 4%, Dividenden gab es auch, und die Wertzuwächse bei Aktien und Anleihen sorgten dafür, dass der Merck Finck Stiftungsfonds erklecklich Ausschüttungsreserven anhäufen konnte. Zudem bestand überhaupt kein Grund, an der Basisallokation bzw. dem Übergewicht an Anleihen zu zweifeln. Andererseits konnte auf der Aktienseite mit Halbgas gefahren werden, die Quote von 30% auszureizen, dazu bestand kein Anlass. Der Stiftungsfonds kam einfach zur richtigen Zeit und hätte sicherlich noch weitaus mehr Stiftungen abgeholt, wäre der Fonds in Stiftungskreisen breiter bekannt gewesen.

MERCK FINCK STIFTUNGSFONDS WAR FRONTRUNNER

Mittlerweile ist der Merck Finck Stiftungsfonds nach 30 Jahren immer noch ein guter Stiftungsfonds, einer der ein authentisches Fondsprodukt aus Stiftungssicht ist, der aber bei einzelnen Aspekten nicht mehr Frontrunner ist sondern ein klein wenig der Zeit hinterherläuft. Ein Blick auf die Leistungsparameter deutet das an. Vor allem die Ausschüttung ging zuletzt sukzessive zurück, vielleicht noch nicht merklich, aber doch wahrnehmbar. Außerdem weist ein Blick auf den Chart darauf hin, dass Rücksetzer wie im Dezember 2018 oder im Corona-Crash im März 2020 zwar rasch aufgeholt, aber eben nicht verhindert werden können. Heißt nichts anderes als dass sich das Bild über 30 Jahre beim Blick auf die aktuellen Leistungsdaten etwas relativiert.

PASST DER ESG-FILTER?

Der jüngste Halbjahresbericht vom März 2020 dann zeigt unter anderem, wie schwer es ist, Nachhaltigkeit ins Portfolio zu implementieren. Über die Aktienauswahl lässt sich bekanntlich immer streiten, aber ob die beiden Internetriesen Amazon oder Alibaba es durch strenge Nachhaltigkeitsfilter schaffen, das ist doch recht fraglich. Ich verstehe, dass diese Titel im Portfolio enthalten sind bzw. sie es in den Merck Finck Stiftungsfonds geschafft haben, denn die Wertentwicklung und die wahrscheinliche weitere Wachstumsperspektive ist etwas, de sich auch Stiftungsfonds nicht verschließen dürfen. Ob aber Amazon bspw. ob der Steuervermeidungspraktiken ins Depot gehört, ist fraglich.

MANCHE GESCHÄFTSMODELLE SOLLTEN STIFTUNGSFONDS MEIDEN

Meine Haltung dazu ist, dass ich persönlich solche Modelle geringschätze, ich so etwas nicht im Depot haben möchte, also keine Unternehmen, die ihre gesellschaftliche Verantwortung nur teilweise oder gar nicht wahrnehmen. Das ist schlicht nicht zeitgemäß. Das Zahlen von Steuern ist eine Verantwortung, die Unternehmen zu tragen haben, und zwar ganz gleich ob sie aus den USA oder Europa oder Asien stammen, wobei Steuern nur ein Aspekt sind. Natürlich können Riesen wie Amazon Nachhaltigkeit durch immensen Zahlen- und Informationsreichtum belegen, aber bei Tageslicht betrachtet ist solch ein Unternehmen in meinen Augen kein stiftungsgeeignetes Investment.

FRAGEZEICHEN AUF DER ANLEIHESEITE

Auf der Anleiheseite sind es beispielsweise Positionen in Glencore oder Deutsche Bank, die einfach zu hinterfragen sind. Ein Bankhaus mit immensen Problemen, was auch die ethische Verantwortlichkeit des eigenen Handelns betreffen, und ein Rohstoffhändler, sind das Emittenten, auf die ein Stiftungsfonds, der sich seit Neuestem Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreibt und das auch proaktiv kommuniziert, setzen sollte? Selbst bin ich an dieser Stelle unsicher, ich bin mir aber sicher, dass es andere Emittenten gegeben hätte, deren wirtschaftliche und nachhaltige Vorteilhaftigkeit über der der beiden genannten Anleiheemittenten gelegen hätte. Von der Wirecard-Anleihe, die noch per Stichtag 31ter März 2020 im Depot enthalten war, mal ganz zu schweigen.

DIE WEBSITE KÖNNTE MEHR LIEFERN

Aber auch bei der Informationsgüte hinkt der Fonds mittlerweile etwas hinterher. Als Stiftung braucht man auf einer Microsite zum Stiftungsfonds alle Infos, die mich interessieren bzw. die mich befähigen, eine sachgerechte Entscheidung zum Fonds zu suchen. Dass Merck Finck für den Stiftungsfonds den Transparenzbericht von Rödl & Partner erstellen lässt, ist hohe Schule des Greifbarmachens von Fondshandwerk, aber was auf der Website bspw. fehlt sind Ausschüttungsübersicht, Angaben zur Ausschüttungspolitik und etwas mehr Material zum Doing im Merck Finck Stiftungsfonds, ergänzend zum monatlichen Factsheet. Hier braucht es heute mehr.

DER EINSATZBEREICH DES MERCK FINCK STIFTUNGSFONDS ÄNDERT SICH

Damit ist der Merck Finck Stiftungsfonds nicht aus der Zeit gefallen, aber er liefert doch nicht mehr zu hundert Prozent das, was eine Stiftung heute braucht – um sachgerecht zu entscheiden und auch um die individuellen Stiftungsziele erreichen zu können. Was das in der Folge für eine Stiftung heißt, ist, dass sie den Fonds künftig womöglich etwas anders einsetzen wird als sie dies vielleicht bisher getan haben. War er bisher Pflichtblock im Fondsportfolio einer Stiftung, ist er künftig vielleicht eher der konservative Baustein, mit dem ich am ehesten Cashbestände erstinvestiere, um dies dann ggf. via ausschüttungsstärkeren Fondsbausteinen noch zu ergänzen. Der Einsatzbereich des Merck Finck Stiftungsfonds hat sich also mittlerweile unter Umständen mittlerweile verändert.

ZUSAMMENGEFASST

Mit dem Merck Finck Stiftungsfonds existiert ein Stiftungsfonds seit 30 Jahren, allein dafür muss eine Stiftung den Fonds eigentlich schon auf ihre Shortliste nehmen. Einfach um zu schauen, was „der Alte“ denn zuletzt gemacht und wieviel er ausgeschüttet hat. Der Merck Finck Stiftungsfonds kann so etwas sein wie die Benchmark für bewährtes Stiftungsfonds-Handwerk. Stiftungen müssen dennoch wissen, dass sich die Macher des Fonds nicht ganz leicht damit tun, Nachhaltigkeit stringent ins Depot einzubauen, dass die Leistungsmerkmale von anderen Fonds manchmal besser geliefert werden und dass von Seiten der Informationen Stiftungen heute nach mehr fragen müssen als auf der Website verfügbar gehalten wird. Aber vielleicht muss manchmal auch nicht alles „state-of-the-art“ sein, manchmal steht solide einfach über Allem. Und gemessen daran ist der Merck Finck Stiftungsfonds eine blühende Landschaft.