{"id":5863,"date":"2023-06-03T06:42:00","date_gmt":"2023-06-03T04:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/?p=5863"},"modified":"2025-05-16T12:31:20","modified_gmt":"2025-05-16T10:31:20","slug":"viele-in-der-bevoelkerung-wissen-gar-nicht-was-stiftungen-alles-leisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/viele-in-der-bevoelkerung-wissen-gar-nicht-was-stiftungen-alles-leisten\/","title":{"rendered":"\u201eViele in der Bev\u00f6lkerung wissen gar nicht, was Stiftungen alles leisten\u201c"},"content":{"rendered":"<span class=\"span-reading-time rt-reading-time\" style=\"display: block;\"><span class=\"rt-label rt-prefix\">Lesezeit: <\/span> <span class=\"rt-time\"> 15<\/span> <span class=\"rt-label rt-postfix\">Minuten<\/span><\/span>\n<p><em>Die Stiftungslandschaften in \u00d6sterreich, Liechtenstein und der Schweiz \u00e4hneln sich in Vielem, in Manchem aber hat jeder Stiftungsstandort seine ganz eigene Sicht auf die Dinge, die Stiftungen gerade umtreiben. Mit den Verbandsverantwortlichen aus \u00d6sterreich, Liechtenstein und der Schweiz sprachen wir \u00fcber die unterschiedlichen Perspektiven auf relevantes Stiftungshandeln, lernten aber gleichzeitig, dass vieles was uns hierzulande umtreibt, auch in unseren Nachbarl\u00e4ndern l\u00e4ngst auf der Stiftungsagenda steht. Ein Runder Tisch auf Deutsch bzw. Tacheles.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>FondsFibel: Wir wollen mal auf der Metaebene einsteigen. In Deutschland sehen wir die Diskussion um die Shrinking Spaces, also die zunehmende Einschr\u00e4nkung der zivilgesellschaftlichen Handlungsspielr\u00e4ume durch die Politik. Ist das etwas, was in \u00d6sterreich, Liechtenstein und der Schweiz auch diskutiert wird? Oder welche Themen sind es stattdessen?<\/strong><br><em>Ruth Williams: <\/em>Also wir sind ja quasi der j\u00fcngste Stiftungsmarkt unter den genannten, unser \u00d6kosystem ist mit 750 gemeinn\u00fctzig aktiven Stiftungen, von denen 16% Mitglied bei uns sind, noch \u00fcberschaubar. Die Thematik der Shrinking Spaces haben wir so in \u00d6sterreich nicht. Prinzipiell haben Stiftungen in \u00d6sterreich ein sehr gutes Standing, womit wir hier und da k\u00e4mpfen, ist aber schon politische Einflussnahme, in einem ganz bestimmten Sinne. Der gemeinn\u00fctzige Sektor agiert in einem recht rigiden Rahmen. Damit wird die eigentliche Rolle, die Stiftungen einnehmen k\u00f6nnten, n\u00e4mlich Innovatoren zu sein und Inkubatoren f\u00fcr gute Ideen, Dinge ausprobieren zu k\u00f6nnen, konterkariert. Hier sind Nachbarl\u00e4nder mit einem liberaleren Rechtsrahmen eindeutig im Vorteil. Wir hoffen hier mit \u00d6sterreich auch bald anschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen und freuen uns \u00fcber die gute Gespr\u00e4chsbasis mit der \u00f6ffentlichen Hand. Es braucht den Vertrauensvorschuss f\u00fcr zivilgesellschaftlich aktive Akteure und einen guten Austausch zum Aufbau des wechselseitigen Verst\u00e4ndnisses.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/vtfds.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Ruth-Williams-1024x576.jpg\" alt=\"Ruth Williams\" class=\"wp-image-5868\" srcset=\"https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Ruth-Williams-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Ruth-Williams-300x169.jpg 300w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Ruth-Williams-768x432.jpg 768w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Ruth-Williams-696x392.jpg 696w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Ruth-Williams-1068x601.jpg 1068w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Ruth-Williams.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>FondsFibel: Wenn wir auf die Ebene des Verbands gehen. Welches sind die Themen, die Sie derzeit als Generalsekret\u00e4rin am meisten umtreiben?<\/strong><br><em>Ruth Williams:<\/em> Die Themenfelder, in denen sich unsere Mitglieder engagieren sind mehrheitlich in den Bereichen Soziales, Bildung sowie Wissenschaft und Forschung zu verorten. \u00dcbergeordnet schiebt sich das Umwelt- und Klimathema notwendigerweise an vielen Stellen in den Diskurs. Das ist meiner Meinung nach sehr wichtig, weil aufgrund der Interkonnektivit\u00e4t viele andere soziale Themen ohne Umwelt und Klima nicht mehr den Impact haben werden, den sie haben sollen. Ein anderes Thema an dem wir intensiv arbeiten, ist die Etablierung der Gemeinschaftsstiftungs-Bewegung in \u00d6sterreich. Man kann sich das als die \u00f6sterreichische \u00dcbersetzung der Community Foundation vorstellen, die es in Europa in \u00fcber 20 L\u00e4ndern bereits gibt. Dieses gemeinschaftliche, regionale, partizipative, philanthropische Engagement in der nachhaltigen Form der Stiftung soll in \u00d6sterreich Einzug finden. Unter anderem als stabile erg\u00e4nzende Struktur, um in Krisensituationen, wie einer Pandemie, schnell Hilfe bieten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FondsFibel: Was in Deutschland geht, geht in \u00d6sterreich erst recht. Wie liegen die Themen in Liechtenstein?<\/strong><br><em>Dagmar B\u00fchler-Nigsch:<\/em> Bei uns ist es vor allem der Mangel an verbindlichen Daten zum Stiftungssektor, der uns besch\u00e4ftigt. Zwei Zahlen kann ich aber vorab erw\u00e4hnen: In Liechtenstein gibt es aktuell 1.375 gemeinn\u00fctzige Stiftungen, knapp 10% davon, genau 110, sind Mitglied in unserer Vereinigung. Wir verf\u00fcgen \u00fcber keine Angaben zu Verm\u00f6gen und F\u00f6rdervolumen der Stiftungen, was es f\u00fcr uns deshalb sehr schwierig macht, den gesellschaftlichen Nutzen der gemeinn\u00fctzigen Stiftungen sichtbar zu machen. Die VLGST setzt sich daf\u00fcr ein, k\u00fcnftig vermehrt mit aggregierten Daten \u00fcber das liechtensteinische Stiftungswirken kommunizieren zu k\u00f6nnen. Auch den einzelnen gemeinn\u00fctzigen Stiftungen kommt dabei eine wichtige Rolle zu, indem sie \u00fcber ihre wertvolle Arbeit berichten und konkrete Beispiele nach au\u00dfen tragen. Das w\u00fcrde in meinen Augen dem ganzheitlichen Ansehen von Stiftungen enorm helfen, in jedem Land. Viele Stiftungen hierzulande sehen sich jedoch nicht in der Not transparenter zu werden, weil sie in ihrem Wirken wenig Einschr\u00e4nkungen erfahren. In 2022 wurde Liechtenstein f\u00fcr seine guten Rahmenbedingungen bzw. das liberale Stiftungsrecht als weltbester Philanthropie-Standort ausgezeichnet. Nur, ausruhen d\u00fcrfen wir uns darauf aber nicht. Als Interessensvertretung sind wir gefordert, auf die Beh\u00f6rden zuzugehen und von der Politik auch jene Signale einzufordern, den Stiftungssektor weiter zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FondsFibel: Jetzt nennen Sie zwei Begriffe, Kommunikation und Transparenz. Das befasst uns in Deutschland auch immer st\u00e4rker. Sind Kommunikation und Transparenz die Herausforderungen f\u00fcr Stiftungen f\u00fcr die n\u00e4chsten 10 Jahre?<\/strong><br><em>Dagmar B\u00fchler-Nigsch:<\/em> F\u00fcr mich ganz klar ja. Gemeinn\u00fctzige Stiftungen genie\u00dfen eine relativ hohe Anerkennung und Wertsch\u00e4tzung und mehr Transparenz w\u00fcrde das noch untermauern. Transparenz schafft Vertrauen und genau da sehe ich eine Herausforderung. Gemeinn\u00fctzige Stiftungen sind steuerbefreit und deshalb hat die \u00d6ffentlichkeit ein Anrecht zu wissen, dass es sie gibt und in welchen Bereichen sie t\u00e4tig sind. Unsere gro\u00dfen Stiftungen sind hier bereits vorbildlich, indem sie \u00fcber ihre wertvolle Arbeit berichten und konkrete Beispiele nach au\u00dfen tragen. Beispiele daf\u00fcr sind die Hilti Foundation, die Onassis Foundation, die Medicor Foundation sowie die noch junge Stiftung Lebenswertes Liechtenstein. Diese sind operativ t\u00e4tig und betreiben eine wirksame \u00d6ffentlichkeitsarbeit. Ich w\u00fcnsche mir, dass viele andere ebenfalls so sichtbar werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/vtfds.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Dagmar-Buehler-Nigsch-1024x576.jpg\" alt=\"Dagmar B\u00fchler-Nigsch\" class=\"wp-image-5870\" srcset=\"https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Dagmar-Buehler-Nigsch-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Dagmar-Buehler-Nigsch-300x169.jpg 300w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Dagmar-Buehler-Nigsch-768x432.jpg 768w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Dagmar-Buehler-Nigsch-696x392.jpg 696w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Dagmar-Buehler-Nigsch-1068x601.jpg 1068w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Dagmar-Buehler-Nigsch.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>FondsFibel: Im Gegensatz zur Schweiz, wo viele der rund 14.000 Stiftungen kein Problem mit ihrer Sichtbarkeit haben.<\/strong><br><em>Julia Jakob:<\/em> Ganz genau, unser Stiftungssektor ist sichtbar und robust. Fast jeden Tag wird eine neue Stiftung gegr\u00fcndet, wir profitieren weiter von den liberalen Rahmenbedingungen, die wir in der Schweiz haben und auch nutzen k\u00f6nnen. Aber auch wir k\u00e4mpfen zunehmend darum, dass wir nicht eingeengt werden in unseren Handlungsspielr\u00e4umen und diese liberalen Rahmenbedingungen erhalten bleiben. Zusammen mit Philea und den europ\u00e4ischen Stiftungsverb\u00e4nden haben wir j\u00fcngst f\u00fcr Ausnahmen vom Common Reporting Standard gek\u00e4mpft und konnten uns durchsetzen, was f\u00fcr uns einen riesigen Advocacy Erfolg darstellt. Gemeinn\u00fctzige Stiftungen in der Schweiz k\u00f6nnen so bis zu 30 Millionen Franken im Jahr weiter f\u00fcr ihre F\u00f6rdert\u00e4tigkeit einsetzen, anstatt diesen Betrag f\u00fcr die Kosten des Reportings im Rahmen des Automatischen Informationsaustausch ausgeben zu m\u00fcssen. Ganz aktuell haben wir einen intensiven Austausch mit der Standortf\u00f6rderung Z\u00fcrich, und konnten dem Kanton aufzeigen, was Stiftungen als Ressource bedeuten, und vor allem auch den Diskurs mit den Steuerbeh\u00f6rden bef\u00f6rdern. Letztere sind auch bei uns oft die gro\u00dfen Bremsen. Hier ist am meisten zu tun. Wie Dagmar B\u00fchler-Nigsch bin ich der Meinung, dass f\u00fcr die Steuerbefreiung bestimmte Spielregeln einzuhalten sind. Die Steuerbeh\u00f6rden d\u00fcrfen aber die Stifterfreiheit und ein modernes Stiftungswesen nicht unterlaufen.<br><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dr. Christoph Degen:<\/em> Im Zusammenhang mit Regeln oder eben auch Gesetzen, die teilweise gro\u00dfen Einfluss auf die Stiftungsarbeit haben, ist auch das runderneuerte Datenschutzgesetz der Schweiz zu erw\u00e4hnen, das am 1. September 2023 in Kraft tritt. Stiftungen m\u00fcssen sich hierauf vorbereiten, das ist ein gro\u00dfer Brocken. Denn neben den bereits erw\u00e4hnten Themen wie der Erh\u00f6hung von Transparenz und Sichtbarkeit, der Kommunikation und dem Engagement f\u00fcr die Erhaltung und Weiterentwicklung der liberalen Rahmenbedingungen, sind es eben h\u00e4ufig auch ganz konkrete Herausforderungen, die uns besch\u00e4ftigen. Als Verband m\u00fcssen und wollen wir auf allen Ebenen f\u00fcr unsere Mitglieder da sein: nach dem politischen Engagement kommt die Begleitung und Beratung bei der Umsetzung. Daf\u00fcr ist der Datenschutz ein gutes Beispiel, denn eskommen jetzt viele neue Pflichten auf Datenverarbeiter zu, Namen und Anschriften von Spenderinnen und Spendern m\u00fcssen erfasst werden, Daten m\u00fcssen gel\u00f6scht auf Verlangen gel\u00f6scht werden k\u00f6nnen. In Deutschland gibt\u2019s die DSGVO seit einiger Zeit bereits, wir Schweizer sind diesmal etwas sp\u00e4ter dran damit (lacht).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FondsFibel: Auch das kommt vor. Aber Spielregeln sind das eine, Spielr\u00e4ume das andere.<\/strong><br><em>Julia Jakob:<\/em> V\u00f6llig richtig. Nehmen wir die Honorierung von Stiftungsr\u00e4ten. In manchen Kantonen wird diese relativ gro\u00dfz\u00fcgig gehandhabt, weil gesetzlich auch gar keine Einschr\u00e4nkungen bestehen. Andere Steuerbeh\u00f6rden wie zum Beispiel in Z\u00fcrich erlauben hingegen nur Entsch\u00e4digungen f\u00fcr Spesen, dort wird nicht einmal eine angemessene Honorierung f\u00fcr die Stiftungsratst\u00e4tigkeit oder ein bescheidenes Sitzungsgeld zugelassen. Das ist viel strenger als von den rechtlichen Rahmenbedingungen gefordert. Oder schauen wir auf neue F\u00f6rdermodelle. Bei unternehmerischen F\u00f6rdermodelle wie etwa Darlehen an Start-ups oder Private Equity tun sich die Beh\u00f6rden noch sehr schwer. Das bremst Stiftungen aus, denn neue Ideen gibt es viele, das kann ich Ihnen versichern. Auch die Beh\u00f6rden sollten letztlich verstehen, dass Stiftungen ein gutes Gesch\u00e4ft f\u00fcr die Gesellschaft sind. Es gibt f\u00fcr die Schweiz Studien, die belegen, dass eine gemeinn\u00fctzige Stiftung der Gesellschaft schon nach einem Jahr mehr bringt als ihr durch die Steuerbefreiung der Stiftung entgangen ist. Was uns als Verband daneben noch umtreibt, ist die Balance aus digitaler und analoger Vernetzung sowie die Professionalisierung des Sektors als Ganzem.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FondsFibel: Stiftungen als Inseln des Gelingens, aber damit sie gelingen, braucht es Voraussetzungen.<\/strong><br><em>Ruth Williams:<\/em> Es geht auch uns um das Zusammenbringen von Leuten und das Verbreiten der Stiftungsidee. Wir m\u00fcssen erkl\u00e4ren, dass Stiftungen Inseln des Gelingens sind und kommunizieren, so dass man noch mehr Menschen in diese Richtung motiviert werden. Zu dieser Motivation geh\u00f6ren dann auch Partnerschaften mit der \u00f6ffentlichen Hand. Aber ich glaube, dass wir noch wesentlich mehr die Silo-Denke aufbrechen und das Verst\u00e4ndnis f\u00f6rdern m\u00fcssen, dass eine Stiftung f\u00fcr jeden eine Engagementform sein kann, unabh\u00e4ngig davon, ob Privatperson, Familie oder Unternehmen eine solche gr\u00fcnden wollen. Die Stiftung ist eine Option unter vielen, als Verband sind wir dazu angehalten, diese Gedankenger\u00fcste auch in den Rahmenbedingungen abzubilden. Wir m\u00fcssen noch bessere Rahmenbedingungen schaffen, so dass sich der Stiftungsstandort \u00d6sterreich noch weiterentwickelt und professionalisiert. Viele Menschen haben tolle Ideen und starten Initiativen, aber das muss auf fruchtbaren Boden fallen k\u00f6nnen.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dr. Christoph Degen:<\/em> Ein Punkt, bei dem es noch viel Luft nach oben gibt, ist die \u00f6ffentliche Wahrnehmung von Stiftungen. Viele wissen gar nicht, was genau eine Stiftung ist und was Stiftungen alles leisten. Dieses mangelnde Wissen ist nicht nur in der Bev\u00f6lkerung zu beobachten, sondern teilweise auch bei den Vertreterinnen und Vertretern des \u00f6ffentlichen Gemeinwesens. Da Stiftungen ma\u00dfgeblich zum Funktionieren bspw. von kulturellen und sozialen Institutionen beitragen, w\u00e4re es w\u00fcnschenswert, wenn das Gemeinwesen seine Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die Leistungen von Stiftungen noch besser zum Ausdruck bringen w\u00fcrde. Das kann bspw. im Rahmen der Kommunikation geschehen oder auch indem den Bed\u00fcrfnissen von Stiftungen mehr Geh\u00f6r geschenkt wird. Damit wir hier vorw\u00e4rtskommen, sind Gespr\u00e4che mit den entsprechenden Institutionen wichtig. So pflegen wir hier in Basel bspw. den regelm\u00e4\u00dfigen Dialog mit den Beh\u00f6rdenvertretern, um die Zusammenarbeit kontinuierlich zu optimieren. Stiftungen ihrerseits m\u00fcssen ihre Geschichten des Gelingens erz\u00e4hlen, so dass ihre Leistungen sichtbarer werden. Es sind also beide Seiten gleicherma\u00dfen gefragt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/vtfds.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Julia-Jakob-1024x576.jpg\" alt=\"Julia Jakob\" class=\"wp-image-5871\" srcset=\"https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Julia-Jakob-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Julia-Jakob-300x169.jpg 300w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Julia-Jakob-768x432.jpg 768w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Julia-Jakob-696x392.jpg 696w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Julia-Jakob-1068x601.jpg 1068w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Julia-Jakob.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>FondsFibel: Das ist aber notwendig, um die Relevanz des Sektors zu zeigen, oder?<\/strong>\u00a0<br><em>Julia Jakob:<\/em> Nur wenn wir zeigen, was wir k\u00f6nnen, dass wir gut arbeiten und dass wir mit dem entgegengebrachten Vertrauen gut umgehen k\u00f6nnen, dann haben wir eine Chance, als relevanter gesellschaftlicher Player akzeptiert zu werden. Das treibt uns an und um, uns dauernd zu verbessern.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dagmar B\u00fchler-Nigsch:<\/em> Nehmen wir doch einmal das Thema Public Private Partnership, das ist ein gutes Instrument, um f\u00fcr das Gemeinwohl Projekte umzusetzen und gleichzeitig den Austausch zwischen den gemeinn\u00fctzigen Akteuren zu pflegen. Wir haben in Liechtenstein das Amt f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten und den liechtensteinischen Entwicklungsdienst, hier wird vielerorts tolle Arbeit geleistet. Nur wissen die Stiftungen voneinander viel zu wenig, was alles geleistet wird und was man gemeinsam machen k\u00f6nnte. Musterg\u00fcltige Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass ein Zusammenspiel der verschiedenen Akteure sowohl eine Hebelwirkung bei den Projekten als auch eine richtig gute \u00d6ffentlichkeitsarbeit f\u00fcr das ganze Land Liechtenstein erzielen kann. Des Weiteren w\u00e4ren viele Organisationen gar nicht handlungsf\u00e4hig, wenn sie nicht auf die Unterst\u00fctzung von gemeinn\u00fctzigen Stiftungen z\u00e4hlen k\u00f6nnten. Auch dies soll transparent gemacht werden, es darf aber keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit sein. Nicht zuletzt k\u00f6nnen Stiftungen neue Themen ansto\u00dfen, Anschubfinanzierungen gew\u00e4hren und nicht nur Projekte, sondern eben Organisationen im Sinne des \u201eUnrestricted funding\u201c oder auch der \u201eTrust based Philanthropy\u201c unterst\u00fctzen. Allerdings muss der Sektor und die \u00d6ffentlichkeit dem offen gegen\u00fcberstehen. Zu oft ist das meiner Wahrnehmung nach noch nicht der Fall. &nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dr. Christoph Degen:<\/em> Der Aspekt Anschubfinanzierung bringt uns auch zum Thema Stiftungsverm\u00f6gen, das treibt Stiftungen auch um oder sollte es zumindest. Der Nullzins ist ja vorbei, unsere Stiftungsverm\u00f6gen von rund 140 Mrd. Franken haben es auf der Ausgabenseite damit vermutlich etwas leichter. Bei der Anlage besch\u00e4ftigen uns die Gebote der Prudent Investor Rules, das Gebot der Diversifikation, das Gebot der Sicherheit, der angemessenen Rendite und der gen\u00fcgenden Liquidit\u00e4t. Bei der Diversifikation ist es ja so, dass man nicht nur verschiedene Schuldner auszuw\u00e4hlen hat, sondern dass man auch \u00fcber verschiedene Anlagekategorien hinweg streut. Dann landet man automatisch bei Sachwerten, zu denen neben den Immobilien auch die Aktien geh\u00f6ren. Das letzte Jahr hat uns aber richtig durcheinandergebracht, da Aktien sehr schlecht performt haben, Anleihen aber eben kaum minder schlecht. \u00dcberall hat es vergangenes Jahr reingeregnet. Dann ist es umso wichtiger, und das sagen wir den Stiftungen immer wieder, eine langfristige Strategie zu haben, und diese auch durchzuhalten.<br>&nbsp;<br><strong>FondsFibel: Und Stiftungen sind ja auf zwei Ebenen im Stiftungsverm\u00f6gen unterwegs. Einmal auf Ebene des ordentlichen Ertrags, und zum anderen auf Ebene der Performance.<\/strong>&nbsp;<br><em>Dr. Christoph Degen:<\/em> Von der Performance darf man sich nicht verr\u00fcckt machen lassen. Auch bei Anleihen relativieren sich Kursverluste ja, wenn ich ein Schuldnerpapier bis zur F\u00e4lligkeit halte. Bei einer Stiftung mit einer langfristigen Anlagestrategie sollte die Performance nicht der zentrale Ma\u00dfstab sein. Passt die Langfriststrategie, dann muss mich ein Jahr wie 2022 \u00fcberhaupt nicht stressen, denn in den guten Jahren sammelt die Stiftung genug Speck f\u00fcr ein Jahr wie 2022 an.<br><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dagmar B\u00fchler-Nigsch:<\/em> &nbsp;Neben einer schl\u00fcssigen Anlagestrategie sollte verst\u00e4rkt auf das Thema Nachhaltigkeit gesetzt werden. Ich bin \u00fcberzeugt, dass es hier noch viel Luft nach oben gibt, habe aber auch Verst\u00e4ndnis, dass viele Stiftungen noch Zeit f\u00fcr Umstrukturierungen ben\u00f6tigen. Mittlerweile gibt es mit den SDGs eine gute Orientierung, die Stiftungen hilft, ihren Stiftungszweck im Sinne der Nachhaltigkeit zu erf\u00fcllen und mittels ESG-Kriterien das Stiftungsverm\u00f6gen auch entsprechend nachhaltig zu investieren. Ein Aspekt beim Stiftungsverm\u00f6gen ist mir noch wichtig. Wenn das Stiftungsverm\u00f6gen zu gering ist, um sinnvolle Aussch\u00fcttungen zu t\u00e4tigen, sollte es in Richtung Verbrauchsstiftung gehen. F\u00fcr mich macht es keinen Sinn, die Stiftung dann noch am Leben zu erhalten.&nbsp;<br>&nbsp;<br><strong>FondsFibel: In Deutschland gibt es den Begriff \u201anotleidend\u2018 an der Stelle.<\/strong>&nbsp;<br><em>Dagmar B\u00fchler-Nigsch:<\/em> &nbsp;Das trifft es vermutlich ganz gut. Grunds\u00e4tzlich muss eine Stiftung Ertr\u00e4ge erzielen, um aussch\u00fctten zu k\u00f6nnen. Kann sie das nicht, muss das weitere Bestehen der Stiftung \u00fcberdacht werden.<br><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ruth Williams:<\/em> Stiftungsverm\u00f6gen ist auch bei uns ein Thema, auch wenn in \u00d6sterreich eher die Kultur herrscht, dass \u00fcber Geld nur sehr ungern gesprochen wird. Was ich punkto Stiftungsverm\u00f6gen sehe ist ein gro\u00dfer Unterschied, ob im Stiftungsvorstand oder in der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung jemand ist, der oder die Expertise zum Thema Veranlagung mitbringt. Kommen Stiftungsgr\u00fcnder*innen zu mir in die Beratung, gebe ich das immer mit. Neben allem zivilgesellschaftlichen Engagement muss es auch beim Stiftungsverm\u00f6gen eine Balance geben. Nur bei der Erstellung der Stiftungsurkunde \u00fcbers Stiftungsverm\u00f6gen nachzudenken reicht einfach nicht, gerade in diesen Zeiten. In \u00d6sterreich ist es beispielsweise bei der gemeinn\u00fctzigen Bundesstiftung der Fall, dass man sich bereits bei der Gr\u00fcndung \u00fcber die Veranlagung Gedanken machen muss, denn sonst muss man m\u00fcndelsicher veranlagen. Das ist einer langfristigen und zukunftsorientierten Stiftungsarbeit nat\u00fcrlich nicht zutr\u00e4glich.&nbsp;<br>&nbsp;<br><strong>FondsFibel: Das Gebot der m\u00fcndelsicheren Anlage des Stiftungsverm\u00f6gens wurde in Deutschland 1995 abgeschafft.<\/strong>&nbsp;<br><em>Julia Jakob:<\/em> Bei uns ist die Verm\u00f6gensanlage von Stiftungen schon deswegen ein gro\u00dfes Thema, weil wir der Verband der Schweizer F\u00f6rderstiftungen sind und unsere Mitgliedstiftungen aus den Verm\u00f6gensertr\u00e4gen in der Regel ihre F\u00f6rderaktivit\u00e4ten entwickeln. Vielleicht sind ein paar Zahlen zum Stiftungsverm\u00f6gen in der Schweiz interessant. Im neuesten Stiftungsreport weisen wir per Ende 2022 ein Stiftungsverm\u00f6gen der Schweizer Stiftungen von knapp 140 Mrd. Schweizer Franken aus. Seit 2017 sehen wir hierbei einen Zuwachs um 43,4%. Dieses Verm\u00f6gen muss angelegt werden; Stiftungen d\u00fcrfen andererseits nicht inaktiv sein. F\u00fcr uns als Verband stellt sich hier die Frage des \u201eWie\u201c, und genau hierauf blickt unser j\u00e4hrlicher Benchmark Report. Demnach wenden 84% der hier befragten Stiftungen Nachhaltigkeitskriterien an, 95% hiervon wiederum ber\u00fccksichtigen Negativkriterien. Zwei Drittel setzen zudem auf Best in Class und 41% der im Benchmark Report zitierten Stiftungen bringen Formen von Impact Investing zur Anwendung. Wir als Verband m\u00f6chten Stiftungen dabei unterst\u00fctzen, Schritt f\u00fcr Schritt in die nachhaltige Kapitalanlage hineinzufinden. Das Interesse daran ist riesig, die Umsetzung darf aber noch als l\u00fcckenhaft bezeichnet werden.&nbsp;<br><br><strong>FondsFibel: Die Welt \u00e4ndert sich nun mal nicht von heute auf morgen, sie \u00e4ndert sich Schritt f\u00fcr Schritt, auch in der Veranlagung von Stiftungsverm\u00f6gen. Wenn wir auf das \u201aWir als Verband\u2018 noch einmal kommen. Was ist Ihre Stiftungsagenda 2030, als Verband?<\/strong>&nbsp;<br><em>Julia Jakob:<\/em> &nbsp;Wir sind zum einen f\u00fcr unsere Mitglieder da, zum anderen aber auch f\u00fcr den Stiftungssektor. Wir sind auf allen m\u00f6glichen Ebenen aktiv bis hinein in die Politik, in der Schweiz also auf Bundesebene und auf Kantonaler Ebene, um Stiftungsbelange nach vorne zu bringen. Wir m\u00fcssen viel reden, viele Termine machen und wir m\u00fcssen Viele \u00fcberzeugen.&nbsp;<br><br><em>Dagmar B\u00fchler-Nigsch:<\/em> Das kann ich nur untermauern. Wir haben einen guten Draht zu unseren Beh\u00f6rden. F\u00fcr unsere Mitgliedstiftungen gibt es einmal j\u00e4hrlich ein Treffen mit den Amtsstellen, den Vertretern der Steuerverwaltung, dem Amt f\u00fcr Justiz, der Stiftungsaufsicht und dem Ministerium f\u00fcr Finanzen. Genau dieser Diskurs wird von unseren Mitgliedern gleicherma\u00dfen gesch\u00e4tzt und erwartet. F\u00fcr uns hei\u00dft das aber zum Beispiel auch, Foundation Governance Leitlinien aufzusetzen, also Wohlverhaltensregeln f\u00fcr gute Stiftungspraxis, so wie wir sie in der Schweiz kennen, mit dem Swiss Foundation Code. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Julia Jakob:<\/em> Sch\u00f6n, dass Du an dieser Stelle den Swiss Foundation Code, unser \u201eSchweizer Taschenmesser\u201c f\u00fcr professionelle Stiftungspraxis erw\u00e4hnst. Er ist kein Gesetz, sondern eben jenes Werkzeug, das dich als Stiftung einen h\u00f6heren Professionalisierungsgrad erreichen l\u00e4sst.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ruth Williams:<\/em> Ich sehe eine unserer Rollen definitiv auch als Verkn\u00fcpfer zwischen den Welten. Wir m\u00fcssen aber auch den Sektor an sich f\u00fcr bestimmte Themen sensibilisieren, die dieser heute noch nicht ins Rampenlicht ger\u00fcckt hat. Mittelfristig wird vielen Gemeinn\u00fctzigen und Social Profits die Spendenbasis wegbrechen. Dann braucht es den Austausch, um \u201eon the long run\u201c eine Diversifikation der Einnahmequellen zu erreichen. In Liechtenstein haben sie daf\u00fcr eine Plattform ins Leben gerufen, auf der ganz unterschiedliche Zielgruppen, Vorstellungen, Interessen und Perspektiven zusammengebracht werden k\u00f6nnen. Hier als Verband im Lead f\u00fcr seine Mitglieder zu sein, das w\u00fcrde ich f\u00fcr uns in der Zukunft schon sehen. Letztlich k\u00f6nnen solch niedrigschwelligen Angebote vor allem jenen Stiftungen helfen, die \u00fcber kleinere Budgets verf\u00fcgen. In Zeiten von multiplen Krisen m\u00f6chte ich R\u00e4ume schaffen, in denen Akteure aus dem Sektor zusammenkommen k\u00f6nnen und im Idealfall \u00fcber das Kennenlernen hinaus ihre Ressourcen b\u00fcndeln und in der Zusammenarbeit so einen wesentlich gr\u00f6\u00dferen Hebel haben. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/vtfds.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Dr-Christoph-Degen-1024x576.jpg\" alt=\"Dr. Christoph Degen\" class=\"wp-image-5874\" srcset=\"https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Dr-Christoph-Degen-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Dr-Christoph-Degen-300x169.jpg 300w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Dr-Christoph-Degen-768x432.jpg 768w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Dr-Christoph-Degen-696x392.jpg 696w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Dr-Christoph-Degen-1068x601.jpg 1068w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/twitter-Dr-Christoph-Degen.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>FondsFibel: Also braucht es nicht nur die gro\u00dfen Stiftungen, \u00fcber die wir in Deutschland so gerne sprechen? Die Stiftungslandschaft muss bunt bleiben, und dazu geh\u00f6ren auch die kleineren und mittelgro\u00dfen Stiftungen?<\/strong> &nbsp;<br><em>Dr. Christoph Degen:<\/em> Die enorme Vielfalt der Stiftungen \u2013 auch in Bezug auf die Gr\u00f6\u00dfe und Verm\u00f6gen \u2013 kann und soll als Chance gesehen werden.&nbsp; Es gibt Stiftungen, die haben viel Geld und viele Ideen. Dann gibt es Stiftungen, die zwar viele Ideen, aber wenig Verm\u00f6gen haben. Andere wiederum haben viel Geld und wenig Ideen. Da Stiftungen mit Kreativit\u00e4t einen Mangel an Mittel ausgleichen k\u00f6nnen, sind gro\u00dfe und verm\u00f6gende Stiftungen nicht zwangsl\u00e4ufig relevanter. Jemand sagte einmal &#8222;creativity beats money&#8220;, dem stimme ich zu. Alle Stiftungen verstehen sich als Partner f\u00fcr L\u00f6sungen heutiger aktueller Herausforderungen und k\u00f6nnen ihren ganz individuellen Beitrag zur Verbesserung der Gesellschaft leisten. Wir schauen bei proFonds jetzt auf eine mehr als 30-j\u00e4hrige Verbandsgeschichte zur\u00fcck, und von unseren rund 500 Mitgliedern erz\u00e4hlen die allermeisten eine &#8222;Geschichten des Gelingens&#8220;.<br><br><em>Julia Jakob:<\/em> F\u00fcr mich gibt uns die digitale Welt eigentlich alle M\u00f6glichkeiten an die Hand, genau dieses Bunte auch zu zeigen. Wir sind als Verband j\u00fcngst als Mittler und Moderator aufgetreten bei der Plattform StiftungSchweiz. Dort ergab sich die M\u00f6glichkeit einer Beteiligung, also haben neun Schweizer Stiftungen ein Finanzierungskonsortium gegr\u00fcndet und sich an der Plattform beteiligt, zu der im \u00dcbrigen auch die Publikation The Philanthropist geh\u00f6rt, mit der wir Stiftungen auch auf dem klassischen Wege erreichen k\u00f6nnen. Swiss Foundations hat diese Aktion koordiniert und spielt nun dort auch inhaltlich eine Rolle. Solche M\u00f6glichkeiten gilt es als Verband zu nutzen. Jetzt entwickeln wir die ersten Formate und Inhalte dazu. Grunds\u00e4tzlich wollen sich unsere F\u00f6rderstiftungen auch noch besser untereinander vernetzen, beispielsweise sehen, wo es F\u00f6rderl\u00fccken oder Kooperationspotenziale gibt. Plattformen k\u00f6nnen da eine Br\u00fccke bauen. Wir haben das angesto\u00dfen und es ist ein mutiger Schritt in Richtung Digitalisierung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ruth Williams:<\/em> Digitalisierung ist nat\u00fcrlich f\u00fcr Stiftungen aus unterschiedlichsten Perspektiven heraus relevant. Einmal aus Effizienzgr\u00fcnden, daneben aber auch bei Organisationen, die wachsenderweise Spenden einwerben. Da braucht es dann Datenbanken und deren Management, Spendenbest\u00e4tigungen m\u00fcssen verschickt werden, niemand will da bei uns zur\u00fcck ins Analoge. Gro\u00dffl\u00e4chig im \u00f6sterreichischen Stiftungssektor angekommen ist die Digitalisierung aber dennoch noch nicht. Es wird aber in den n\u00e4chsten Jahren zwangsl\u00e4ufig ein wachsender Bereich werden. Die j\u00fcngere Generation der Stiftungsmanager*innen hat einen komplett anderen ihrer Generation angepassten Zugang. Das ist f\u00fcr uns als junger Verband eine Herausforderung, aber eben auch eine Chance. Der Sektor arbeitet hochprofessionell, aber es braucht hier immer wieder eine Weiterentwicklung, das gemeinsame Lernen. Die Menschen in den Stiftungen haben den Wunsch und den Anspruch, professionell zu arbeiten, daf\u00fcr m\u00fcssen Angebote wie unser Intensivlehrgang im Stiftungsmanagement geschafften werden. Und die jungen Menschen in Stiftungen wollen nicht nur \u00fcber Social Media sprechen, sie wollen es nutzen. Es geht um das zeitgem\u00e4\u00dfe Wie.&nbsp;<br>&nbsp;<br><strong>FondsFibel: Das ist ja dann schon so etwas wie eine Stiftungsagenda 2030, das zeitgem\u00e4\u00dfe Wie.<\/strong>&nbsp;<br><em>Ruth Williams:<\/em> Der Stiftungssektor muss Augenmerk auf moderne Rahmenbedingungen legen, die innovative Arbeit von gemeinn\u00fctzigen Stiftungen m\u00f6glich macht. Andererseits braucht es aber in meinen Augen auch die l\u00e4nder\u00fcbergreifende Zusammenarbeit, weshalb ich f\u00fcr mich die Idee der europ\u00e4ischen Stiftung oder einer anderen hier zutr\u00e4glichen Rechtsform f\u00fcr Gemeinn\u00fctzige auch noch nicht ad acta gelegt habe. Es ist in meinen Augen k\u00fcnftig eher egal, ob ich in einer Stiftung in \u00d6sterreich, Deutschland, der Schweiz oder Liechtenstein arbeite, denn wenn die Stiftung sich zum Beispiel mit dem Erhalt der Artenvielfalt befasst, als Teil des Klimaproblems, dann h\u00f6rt diese Arbeit nicht an der Landesgrenze auf. Daher auch das Bestreben, zwischen den Stiftungsverb\u00e4nden die innerverbandliche Kooperation auszubauen. Nicht zuletzt m\u00fcssen wir am modernen Erscheinungsbild von Stiftungen in der \u00d6ffentlichkeit arbeiten, dass Stiftungen beispielsweise ein partizipatives Bild zeichnen. Dazu brauchen wir die digitale Welt, aber die digitale Welt wird auch von uns profitieren, denn wir erz\u00e4hlen die Geschichten des Gelingens und k\u00f6nnen so weitere Menschen mobilisieren&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dr. Christoph Degen:<\/em> Wir haben das Privileg, in L\u00e4ndern mit einer freiheitlichen Grundordnung und politischer Stabilit\u00e4t zu leben. Das sind ideale Grundvoraussetzungen f\u00fcr gelingendes gemeinn\u00fctziges Engagement.&nbsp; Daher sind diese Stiftungsstandorte vielleicht auch so prosperierend. Damit Stiftungen auch in L\u00e4ndern mit antidemokratischen Tendenzen wirken k\u00f6nnen, ist es umso wichtiger, dass der Stiftungssektor l\u00e4nder\u00fcbergreifend arbeitet und daf\u00fcr sorgt, dass die Leistungen von Stiftungen von der Gesellschaft mehr anerkannt und gesch\u00e4tzt werden. Auch im Bereich der Interessenwahrung k\u00f6nnen wir voneinander lernen, denn die Herausforderungen sind teilweise vergleichbar. Wir m\u00fcssen uns weiterhin gemeinsam daf\u00fcr einsetzen, dass B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sich f\u00fcr die Gemeinn\u00fctzigkeit einsetzen und dass sie dies m\u00f6glichst h\u00fcrdenfrei tun k\u00f6nnen. Das ist und bleibt unsere Vision.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/vtfds.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"724\" src=\"https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/vtfds2023-plakat-quer-1024x724.jpg\" alt=\"vtfds2023 - 4. Virtueller Tag f\u00fcr das Stiftungsverm\u00f6gen\" class=\"wp-image-5803\" srcset=\"https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/vtfds2023-plakat-quer-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/vtfds2023-plakat-quer-300x212.jpg 300w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/vtfds2023-plakat-quer-768x543.jpg 768w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/vtfds2023-plakat-quer-696x492.jpg 696w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/vtfds2023-plakat-quer-1068x755.jpg 1068w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/vtfds2023-plakat-quer-100x70.jpg 100w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/vtfds2023-plakat-quer-200x140.jpg 200w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/vtfds2023-plakat-quer.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>FondsFibel: Wie steht es um die Stiftungsagenda 2030 in Liechtenstein?<\/strong>&nbsp;<br><em>Dagmar B\u00fchler-Nigsch:<\/em> Gemeinsam mit der Stiftungsaufsicht m\u00f6chten wir das Thema Transparenz im Sektor verbessern. Heutzutage k\u00f6nnen Organisationen Geld nicht mehr einfach so annehmen, ohne die Herkunft zu \u00fcberpr\u00fcfen. F\u00fcr eine effiziente Zusammenarbeit braucht es Transparenz auf beiden Seiten. Hier kann eine Verbandsmitgliedschaft gro\u00dfe Hilfestellung leisten und als G\u00fctesiegel auch die Zusammenarbeit mit Organisationen und deren Due Dilligence vereinfachen und eine professionelle Stiftungspraxis unterst\u00fctzen. An dieser professionellen Stiftungspraxis m\u00fcssen die Verb\u00e4nde arbeiten und unsere Mitglieder durch ein qualitativ hochwertiges Weiterbildungsangebot unterst\u00fctzen. &nbsp;<br>Ganz oben auf unserer Priorit\u00e4tenliste steht aber auch, die Klima-Philanthropie in Liechtenstein noch weiter zu st\u00e4rken. Es ist klar, dass diese nicht mehr von den klassischen F\u00f6rderbereichen loszul\u00f6sen ist. Dies muss sich jedoch noch st\u00e4rker in den F\u00f6rder- und Investitionst\u00e4tigkeiten spiegeln und Bedarf Hilfestellung, um den Zugang f\u00fcr Stiftungen sowohl hinsichtlich ihrer Komplexit\u00e4t als auch der rechtlichen Rahmenbedingungen zu erleichtern. &nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p><em>Julia Jakob:<\/em> Dem ist kaum etwas hinzuzuf\u00fcgen. Ich denke alle Punkte, die wir heute besprochen haben, werden wichtig sein und bleiben bis 2030. Wir wollen vor allem weiterhin ein dynamischer und partizipativer Verband sein. Von Mitgliedern f\u00fcr Mitglieder. Wir wollen ganz nah an den Bed\u00fcrfnissen der Stiftungen sein, diese Bed\u00fcrfnisse in den Sektor tragen und weiter f\u00fcr liberale und moderne Rahmenbedingungen eintreten. Auch den Dialog zu st\u00e4rken ist weit oben auf unserer Agenda. Genau deshalb finde ich es gut, wenn die Verb\u00e4nde besser zusammenfinden, das ist eine gro\u00dfartige Entwicklung. Sehen, was in anderen L\u00e4ndern l\u00e4uft, was Liechtenstein m\u00f6glich macht, was \u00d6sterreich anschiebt, was in Deutschland geschieht, den Dialog mit den Stakeholdern und den Beh\u00f6rden zu f\u00fchren, das treibt uns an. Zumal das Stiftungswesen ja vor einem Generationswechsel steht und f\u00fcr junge Stiftungsr\u00e4te als Arbeitsplatz auch interessant sein muss. Stipendienprogramme wie Board for Good wurden nicht umsonst lanciert. Und ja, auch das Sichtbarmachen der Themen des Dritten Sektors muss zu unserer Agenda geh\u00f6ren. Sichtbar bleiben, relevant sein und alle Kan\u00e4le nutzen, seien es die analogen und auch die digitalen, um hier den Sektor und die einzelnen Stiftungen zu st\u00e4rken. Das bringt alle Beteiligten voran.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/magazin.vtfds.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"970\" height=\"250\" src=\"https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/vtfds2023-Interview970x250.jpg\" alt=\"vtfds2023 - Magazin-Download\" class=\"wp-image-5807\" srcset=\"https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/vtfds2023-Interview970x250.jpg 970w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/vtfds2023-Interview970x250-300x77.jpg 300w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/vtfds2023-Interview970x250-768x198.jpg 768w, https:\/\/stiftungsmarktplatz.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/vtfds2023-Interview970x250-696x179.jpg 696w\" sizes=\"auto, (max-width: 970px) 100vw, 970px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>FondsFibel: Wenn wir es zusammenfassen, dann sind die Zeiten jetzt eine Chance f\u00fcr die Philanthropie in \u00d6sterreich, Liechtenstein, der Schweiz und auch Deutschland, und damit letztlich auch eine Chance f\u00fcr die Gesellschaft in diesen unseren L\u00e4ndern. Wir danken Ihnen sehr f\u00fcr Ihre offenen Worte, Ihre Einblicke und auch die Ausblicke auf das Stiftungsmorgen, die uns optimistisch in ebenjenes blicken lassen.<\/strong>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"span-reading-time rt-reading-time\" style=\"display: block;\"><span class=\"rt-label rt-prefix\">Lesezeit: <\/span> <span class=\"rt-time\"> 15<\/span> <span class=\"rt-label rt-postfix\">Minuten<\/span><\/span>Die Stiftungslandschaften in \u00d6sterreich, Liechtenstein und der Schweiz \u00e4hneln sich in Vielem, in Manchem aber hat jeder Stiftungsstandort seine ganz eigene Sicht auf die Dinge, die Stiftungen gerade umtreiben. 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