Selbst dran schuld

Warum Stiftungen für geringe Erträge auch selbst verantwortlich sind

Schon seit Jahren haben Stiftungen Ertragsprobleme, da die Kosten der Vermögensverwaltung dank sinkender Zinsen einen immer größeren Teil der Erträge beanspruchen. Teilweise bleibt für die Stiftungsarbeit weniger übrig als an Gebühren an die Bank gezahlt wird. Das ist für die Stiftung nicht nur ärgerlich, sondern auch gefährlich. Ist die Stiftungsaufsicht, dank dem Gebot der sparsamen Mittelverwendung doch verpflichtet, spätestens bei Kosten-Ertrags-Quoten von über 50 % einzugreifen.

Was also tun, um die Kosten-Ertrags-Quoten wieder auf ein vernünftiges Verhältnis von unter 30 % zu bekommen? Den Ertrag durch das Eingehen von zusätzlichen Risiken zu steigern, dürfte für viele Stiftungen keine angenehme Option sein. Auch weil dies wiederum zu höherer Gesamtkostenbelastung führt, da die Kosten der Produkte üblicherweise nach dem Tragfähigkeitsprinzip festgelegt werden. Also bleibt die Möglichkeit, die Kosten zu senken. Doch wie und wo? Schließlich erbringen Fondsverwalter und Bank ja auch Leistungen welche adäquat bezahlt werden sollen. Aber stimmt das überhaupt? Werden Fondsgesellschaften und Banken wirklich für wertvolle – der Stiftung Nutzen bringende – Leistungen bezahlt?

Es geht um teuer versus günstig

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFIN) bezweifelt dies offenbar, hätte sie sonst auf ihrer Internetseite geschrieben „dass man beim Thema Kosten genau hinsehen sollte“. Denn alle empirischen Untersuchungen bestätigen einen negativen Zusammenhang zwischen Kosten und Performance. So kommt z.B. Morningstar nach der Performanceanalyse von aktiven Fonds gegenüber ETFs auch zu folgendem Ergebnis: Es geht nicht um “Aktiv versus Passiv”, sondern um “Teuer versus Günstig”. Und nach einer umfangreichen Analyse von über 23.000 Fonds und ETFs resumiert BBConsulting: „Wer Fonds mit unterdurchschnittlichen Kosten in seiner Anlageentscheidung bevorzugt, dessen Chancen steigen, eine über dem Durchschnitt der Peergroup liegende Wertentwicklung zu erzielen.“

Auf hohe Marketingkosten können Stiftungen verzichten

Was hat das nun konkret mit Stiftungsverantwortlichen zu tun? Sehr viel. Denn die hohen Kosten der meisten Fonds sind zum großen Teil auf den Vertrieb zurückzuführen. Und die Notwendigkeit des Vertriebs resultiert vor allem aus der Passivität der Anleger. Solange die Verantwortlichen passiv warten, bis ihnen das Finanzprodukt verkauft wird, statt selbst zu kaufen, werden die meisten Produkte bei Stiftungen hohe Gebühren zum Erwirtschaften der Marketingkosten haben. Wessen Ertrag also wegen der hohen Vermögensverwaltungskosten zu gering ist, ist selbst dran schuld.

So finden Stiftungen günstige Fonds

Wie findet man nun Fonds mit geringen Kosten? Alle Fonds und ihre Kosten sind im Internet, z.B. unter www.fundinfo.com, aufgeführt. Viele Fonds verfügen über sogenannte „Clean Shares“ – Anteilsklassen bei denen keine Vertriebsprovision bezahlt wird und die daher günstiger sind. Institutionelle Anteilsklassen sind für sehr hohe Anlagebeträge vorgesehen und unterscheiden sich von der „Publikumstranche“ allein durch eine wesentlich geringere Kostenbelastung. Fragen Sie nach, ob die institutionelle Anteilsklasse des Fonds schon für eine kleinere Summen erwerbbar ist – schließlich spart der Anbieter in diesem Fall den Vertriebsaufwand. Auch Plattformen wir FondsDiscount liefern die Werkzeuge, um Fonds günstig zu erwerben.

Souveränes Denken gefragt

Wer sein Portfolio ganz selbständig zusammenstellen kann und auch vor gelegentlichen Anpassungen nicht zurückschreckt, kann in Index-basierte ETFs investieren. Da sie weder aktives Portfoliomanagement noch aktiven Vertrieb haben, sind sie besonders kostengünstig; allerdings sind sie nicht speziell auf die Bedürfnisse von Stiftungen zugeschnitten und bieten keinerlei Beratung und sonstige Unterstützung. Aber, wie schon der berühmte Investor André Kostolany meinte: „Ich weiß, dass die Versuchung groß ist, eher der Meinung von Maklern, Bankern, von Gurus und Medien zu folgen, als sich selbst den Kopf zu zerbrechen. Aber probieren Sie einmal das souveräne Denken, und Sie werden daran ein wahrhaftes Vergnügen haben.“

Zusammengefasst

Neben Faktoren wie Ausschüttung, Konzept, Informationsgüte und ESG sind auch die Kosten ein für Stiftungen immer gewichtigeres Argument für oder gegen einen Fonds. Ein Hamburger Kaufmann sagt immer, der Erfolg liege im Einkauf, so gesehen sollten Stiftungen beim Fondskauf die Kosten einmal en Detail durchleuchten. Wobei: Beim Fondskauf eher nicht, vor dem Fondskauf wäre richtiger.

Frank Wettlaufer

Frank Wettlauffer
ist ehemaliger Deutschlandchef einer Schweizer Privatbank. Der Kapitalmarktexperte berät Stiftungen pro bono in Finanzanlagen. Um Ihnen eine kostengünstige und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Anlage zu bieten, hat er gemeinsam mit der Stiftung von terre des hommes den Smart & Fair-Fonds aufgelegt.

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