Fondsanlage für Stiftungen & NPOs | Tobias Karow | 18.11.2019 | Lesezeit: 5min12

LED-Strategie

LED’s Stiftungsvermögen zeitgemäß anlegen

Was die in Japan erdachte LED-Strategie mit der heutigen Fondsanlage von Stiftungen zu tun hat

Stiftungen sollen ja eine ganze Menge. In der Kapitalanlage sollen sie ertragreich und sicher anlegen, sie sollen ihr Kapital real erhalten, oder zumindest nominal, sie sollen ordentliche Erträge erzielen und ihre Verantwortlichen dabei keine Pflichtverletzung begehen. Eine ganze Menge, was da so gefordert wird in Zeiten historisch niedriger Zinsen. Dazu steckt das Ganze im Mantel der Ewigkeit. Angesichts dessen kann es sinnvoll sein, von den Japanern etwas über LED zu lernen. Nicht LEDs.

Für das aktuelle Umfeld gibt es ja recht wenig Blaupausen, also Orientierungspunkte, die sich auch Stiftungen zu Nutze machen können. Den Blick gen Osten weiten zu lassen, kann jedoch ein wenig Orientierung geben. Die Japaner haben ja nur schon ein Vierteljahrhundert Nullzinsen vor der Tür, und dort, in Japan, kann man gar nicht nachvollziehen, warum wir Europäer angesichts dessen was die Notenbank derzeit vollführt so ruhig und entspannt ist. Das jedenfalls zeigen Vorträge von Japanern, so sie hier in Europa ihre Meinung und Analyse kundtun. In Japan hat sich im Laufe der Nullzinsphase eine Strategie herauskristallisiert, die funktioniert, weil sie ordentliche Erträge zumindest in der Lage ist zu produzieren. Aber nur wenn man diese Strategie als Stiftungsverantwortlicher konsequent umsetzt – und dann auch durchhält. Die Rede ist von der LED-Strategie.

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PODCAST
„LED’s Stiftungsvermögen zeitgemäß anlegen“

STIFTUNGEN SOLLTEN ÜBER REITS SPRECHEN

LED, das hat nichts damit zu tun, die Lampen im Büro durch LEDs zu tauschen, sondern mit drei Wörtern, die in der Kapitalanlage die Richtung vorgeben: L steht für Longer, E steht für External, D steht für Diversification. Übersetzt heißt dies, dass eine Strategie für lange aufgesetzt sein soll und dergestalt auf lang laufende Anleihen setzt (L), dass das Vermögen weit mehr auf andere Länder und Kontinente ausgeweitet werden soll (E) und breitestmöglich diversifiziert werden soll (D).

Jetzt kann man fragen, ob Stiftungen das eh nicht schon machen. Sicherlich, die großen 500 machen das wohl schon so, wenngleich man hierzulande wenig von Seiten der Vermögensverantwortlichen etwa zum Thema REITs oder Emerging Markets hört. Und solange niemand drüber spricht, zumindest das sollte auf einem Stiftungstag schon mal passieren, solange werden solche Ideen auch nicht in die Vermögensanlage einer deutschen Stiftung Eingang finden.

AKTIEN NICHT NUR IN HOMÖOPATISCHEN DOSEN

Aber übersetzen wir doch LED mal in die Welt der Fonds, in die Welt der Fondsanlage für Stiftungen. Fangen wir beim L an. Longer. Longer bedeutet zunächst, für den Anleihebereich auf längere Laufzeiten zu setzen. Wo finden Anleger diese? Sicherlich, zunehmend auch in Europa, aber eine 30jährige ist vor allem in den USA und Großbritannien bekannt, und das bedeutet, dass ein Fonds nicht strikt auf europäische Anleihen setzen dürfte. Er müsste aus dem Euroraum heraus investieren können, von daher könnte es sein dass von vorn herein global aufgesetzte Income-Fonds hier das zeitgemäßere Investieren aus Stiftungssicht ermöglichen. Denn viele reine Stiftungsfonds sind häufig etwas fokussierter auf europäische Anleihen, und auch fokussiert darauf, möglichst kurze Laufzeiten in den Fonds zu packen, um einfach das Risiko von Kursrücksetzern zu limitieren. Longer heißt andererseits aber auch, einen erklecklichen und nicht nur homöopathischen Aktienanteil in einem stiftungsgeeigneten Fonds für notwendig zu erachten.

In Aktien investieren hat viel mit Longer zu tun, das richtige Investieren bei Aktien heißt langfristiges Investieren. Gerade Stiftungen können zwischenzeitliche Dellen, Dips oder Drawdowns einfach Dellen, Dips und Drawdowns sein lassen, es kann ihnen schlicht egal sein. Denn in den vergangenen 150 Jahren war jede Delle, jeder Dip und jeder Drawdown auf Portfolioebene von vorübergehender Natur. So eine Stiftung sich also den LED-Ansatz etwas näher anschaut und sich dann dem langfristigen Allokieren verschreibt, kommt sie an Aktien nicht vorbei – und nicht an Fonds, die entweder rein auf Aktien setzen oder eben einen ordentlichen Aktienanteil von 30 oder 40% in ihrem Portfolio berücksichtigen.

FondsFibel 2019

AKTIENSTRATEGIEN SIND STIFTUNGSNOTWENDIG

In unserer FondsFibel für Stiftungen & NPOs haben wir nicht aus den LED-Überlegungen heraus auch stark auf ausschüttungsstarke und dennoch unterschiedliche Aktienstrategien gesetzt, aber die LED-Überlegungen unterlegen noch einmal eindrücklich, warum wir uns für Fonds wie den EB Ökoaktienfonds, den GLS Aktienfonds, den terrassisi Aktien AMI oder den Tresono Aktien Europa entschieden haben. Diese Fonds lassen sich der L-Sphäre aus LED schon recht klar zuordnen.

Beim E von LED ist das schon schwieriger. Da viele Anlagerichtlinien von Stiftungen – so bereits vorhanden – Investitionen in Dinge wie REITs oder Infrastruktur bzw. weiter gefasst in Emerging Markets nicht oder nur selten vorsehen, schneiden sich Stiftungen das E nahezu komplett ab. Hier ist dann die rudimentäre Anlegerkultur in Deutschland durchaus nicht förderlich. Sie stellt auch Stiftungen und deren Verantwortlichen ein Bein. Investments in Emerging Markets sind nicht anderes als ein Investment in jene Räume, in denen künftig die Prosperität stattfindet, in denen künftig die Wachstumsgeschichten geschrieben werden und in denen demographische und sozio-kulturelle Rahmenparameter noch ein stimmiges Bild abgeben. Aber irgendwie sind Investments in chinesische, indonesische oder koreanische Aktien irgendwie verpönt – entsprechend finden solche Aktientitel wenig bis gar nicht in den Stiftungsfonds hiesiger Prägung statt.

E KÖNNTE FÜR EMERGING MARKETS STEHEN

Emerging Markets heißt aber auch, auf Unternehmen zu setzen, die in den Emerging Markets überproportional erfolgreich sind, oder auf Fonds, die Papiere von supranationalen Emittenten erwerben, weil diese über ihre Programme unternehmerische Aktivitäten in verschiedenen aufstrebenden Ländern fördern. Das ist einer der Gründe, warum wir Fonds wie den Dual Return Vision Microfinance als mögliches Schwerpunkt- oder Basisinvestment einer Stiftung sehen, ebenso Fonds wie den M&G Sustainable Allocation. Vielleicht schauen Stiftungen tatsächlich mal bei ihren Stiftungsfonds, wie hoch dort der Anteil an Investments in den Emerging Markets ist. Ist dieser niedrig, fehlt künftig vielleicht so etwas wie die Möglichkeit, sich Prosperitätsprämien aus den Emerging Markets vereinnahmen zu können.

Womit wir beim D wären. Diversification, oder Diversifikation auf Deutsch. Deutsche Anleger haben immer so ein wenig einen Deutsch-Bias, und einen Europa-Bias obendrauf. Bei Stiftungen hierzulande ist das nicht anders. Schlecht per se ist das nicht, aber es ginge eben auch noch besser, und in Zeiten wie den jetzigen kann ein zu starker Fokus auf Europa und ein oder zwei Anlageklassen vielleicht auch nicht die beste aller Lösungen sein. gerade Stiftungen sollten diversifizieren, die ältesten unter ihnen sind ja gerade deshalb so alt geworden, weil sie damals diversifiziert und diese Diversifikation immer wieder weiterentwickelt haben.

DIVERSIFIKATION IS KING

Daher wissen wir Income-Fonds zu schätzen, die ihr Ausschüttungsprofil auf ein möglichst breites und vor allem globales Fundament stellen. Deshalb wissen wir ausschüttungsstarke Aktienfonds genauso zu schätzen wie ausgesuchte Immobilien- bzw. REIT-Fonds und haben diese in unserer FondsFibel dargestellt. Einfach nur fünf Stiftungsfonds miteinander zu kombinieren, das wird nicht mehr reichen und das haben die Japaner auch mit ihrer LED-Strategie gemeint. Für Stiftungen geht es darum, breit zu streuen, über Assetklassen aber auch über Konzepte hinweg, und vielleicht entlang unterschiedlicher Sichtweisen, denn Fonds, die von Amerikanern gemanagt werden, sehen anders aus als solche von Europäern, und auch daraus lässt sich ein Diversifikationsvorteil ziehen. Stiftungen aus dem Ausland sollten deutschen Stiftungen hier ein Vorbild sein, dort sind die Ressentiments gegenüber einer globalen Kapitalanlage weiter wenig ausgeprägt, und auch der Vorbehalt, bestimmte Ideen oder auch eine gesamte Allokation mit Fonds abzudecken.

ZUSAMMENGEFASST

LED, diese drei Buchstaben sollten sich Stiftungsverantwortliche für die Veranlagung ihres Stiftungsvermögens vielleicht merken. LED-Überlegungen haben Japaner angestellt, sie haben sich nun schon Jahrzehnte mit dem Nullzins einrichten müssen und mussten Strategien entwickeln, wie sie ihre Kapitalanlage in diese neue Zeit übertragen. Die Drei Begriffe Longer, External und Diversification klingen zunächst einfach, aber es steckt viel Zeitgemäßheit dort drin, und auch als Maßgabe für eine langfristige Kapitalanlage taugt LED. Für Stiftungen könnten diese Überlegungen eine rote Linie sein, denn das was die Japaner in den vergangenen 20 Jahren in der Kapitalanlage durchlebten, dürfte Stiftungen (und uns allen) in den kommenden 20 Jahren erst noch bevorstehen. Aber, LED’s see.

Tobias Karow

Tobias Karow
ist Gründer und Geschäftsführer von stiftungsmarktplatz.eu und im Stiftungswesen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein seit 10 Jahren aktiv. Er ist Herausgeber der FondsFibel für Stiftungen & NPOs (www.fondsfibel.de), Vorträge hält er vor allem zum Thema ‚Stiftungen und ihr Weg in die digitale Welt‘. Für beide Themen betreibt er den Blog #stiftungenstärken.

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