Fondsanlage für Stiftungen & NPOs | Tobias Karow | 16.09.2019 | Lesezeit: 3min35

HeatMap - Ordentlicher Ertrag

Das Prinzip Ordentlicher Ertrag

Warum Stiftungen auf ordentliche Erträge angewiesen sind

Bei der Auswahl eines Stiftungsfonds oder eines stiftungsgeeigneten Fonds kommen schnell Kennzahlen auf den Tisch. Fondsanbieter und auch viele Berater neigen dann dazu, die gute Wertentwicklung – so sei denn gut war – in den Mittelpunkt zu rücken. Für Stiftungen zählt aber etwas ganz anderes, für Stiftungen zählen ordentlicher Ertrag bzw. Ausschüttung viel mehr, aus einem ganz profanen Grund heraus.

Wer heute ein Factsheet eines Fonds liest, dem stellen sich aus Stiftungssicht in der Regel die Nackenhaare auf. Zwar wurde fleißig reguliert und Papier produziert, aber die für einzelne Zielgruppen relevanten Angaben wurden glatt vergessen oder eben woanders hinterlegt. Für Stiftungen sind sharpe ratio, information ratio und das Nein bei der Rücknahmegebühr eher weniger relevante Angaben. Für sie zählt der Punkt Ausschüttung, denn dieser ist der ordentliche Ertrag, auf den eine Stiftung angewiesen ist.

Es ist erstaunlich, dass selbst Anbieter von Stiftungsfonds mehrheitlich nicht DIE stiftungsrelevante Information präsentieren, sondern lediglich bei der Ertragsverwendung das Wörtchen ausschüttend aufführen. Aber wann, wie und wie viel, das bleibt im Verborgenen. Gut, man kann natürlich bei den Direktbanken die Fondspreise tageweise nachvollziehen und dann die Ex-Ausschüttungstage herausexzerpieren, aber derlei ist in Zeiten von ‚information overload‘ eigentlich keinem Stiftungsverantwortlichen zuzumuten.

Das Steuerprivileg muss verdient werden

Die Ausschüttung ist für Stiftungen deshalb so relevant, weil sie ja ein steuerbefreites Vermögen ist, und dieses Steuerprivileg muss verdient werden – über den ordentlichen Ertrag. Der ordentliche Ertrag ist bei einem Fonds die Ausschüttung, und diese resultiert aus Zinsen und Dividenden, manchmal auch aus vereinnahmten Optionsprämien und Auskehrungen von im Depot gehaltenen anderen Fonds. Dieses Prinzip muss die Fondsindustrie verinnerlichen, dieses Prinzip ist die Lebensader einer Stiftung, und genau aus diesem Prinzip heraus kann sich eine Stiftung nicht einfach hinstellen und Fundraising betreiben, als Ersatz für ausbleibende Erträge aus der Kapitalanlage.

Das Prinzip Ordentlicher Ertrag ist jenes, das Stiftungen fokussieren müssen, wenn sie sich einen Fonds aussuchen, und sie müssen auch ein wenig in die Details bei der Ausschüttung eintauchen. Manche Fonds belasten die Kosten den ordentlichen Erträgen, manche Fonds direkt dem Fondsvermögen. Ist letzteres der Fall, werden die ausschüttbaren Erträge maximiert, um den Preis, dass der Fonds wertentwicklungsseitig leidet.

FondsFibel 2019

Ordentlicher Ertrag als Pflicht

Beim Prinzip Ordentlicher Ertrag handelt es sich also um so etwas wie eine rote Linie, die Stiftungen genauso wie Fondsanbieter kennen müssen. Ohne eine Ausschüttung verfügt die Stiftung nicht über denjenigen ordentlichen Ertrag, mit dem sie sich ihr Steuerprivileg verdient. Übersetzt auf den Eiskunstlauf würde man sagen, der ordentliche Ertrag ist die Pflicht, Wertentwicklung die Kür – aus Stiftungssicht. Entsprechend haben wir für unsere FondsFibel für Stiftungen & NPOs auch nur solche Fonds selektiert, die ausschüttend aufgelegt sind. Wir hatten auch noch eine entsprechende Informationspolitik als Kriterium angesetzt, aber zu wenige Fonds liefern hier stiftungsspezifisch. Einige aber doch, und das gibt einen dicken Pluspunkt, wie etwa beim AB European Income Portfolio oder dem JPMorgan Global Income. Es ist aber nicht nur die Familie der Income-Fonds, die erklecklich ordentliche Erträge für die Anlegergruppe liefert, es lassen sich etliche Fonds, die dieses Kriterium erfüllen finden.

Checkliste Ordentlicher Ertrag aus Fonds

  1. Der Fonds muss als Ertragsverwendung ‚ausschüttend‘ angeben.
  2. Der ordentliche Ertrag sollte nach Möglichkeit nicht um die Kosten gemindert werden.
  3. Die Ausschüttung sollte relativ stabil sein über einen gewissen Zeitraum. Leicht rückläufige Ausschüttungen sind in Zeiten niedriger Zinsen normal, zuletzt war das Ausschüttungsniveau in der Breite leicht rückläufig. Fonds mit stark schwankenden Ausschüttungen sollten Stiftungen meiden.
  4. Ein Ausschüttungstermin ist gut, mindestens zwei Ausschüttungstermine sind besser. Eine Stiftung kann aber auch über den Kauf verschiedener Fonds mit unterschiedlichen Ausschüttungsterminen ihre Liquiditätsplanung entlang ihrer Erfordernisse optimieren.
  5. Zu den Ausschüttungen müssen die Fondsanbieter auskunftsfähig gegenüber einer Stiftung sein. Wichtig sind Höhe der Ausschüttung, die Ausschüttungstermine und die verfolgte Ausschüttungspolitik.
  6. Fällt die Ausschüttung einmal aus, sollte der Fonds sofort überprüft oder sogar direkt verkauft werden – nachdem man sich zu den Hintergründen beim Fondsanbieter erkundigt hat.

Potential für höhere Ausschüttungen?

Aus der Übersicht weiter oben lässt sich heraus lesen, welche Fonds immer noch hohe Ausschüttungen zeigen, und wo das Potential am größten ist, dass die Ausschüttungen sogar noch zunehmen. Beispielhaft kann hier der Comgest European Growth genannt werden, für den erst eine ausschüttende Tranche aufgelegt wurde und dessen Ausschüttungsziel mit 4% angegeben wurde. Ganz geschafft haben wird er das dieses Jahr noch nicht, aber das Potential für höhere Ausschüttungen ist ob der im Fonds gehaltenen Aktien vorhanden.

Gleiches gilt für den UniInstitutional Stiftungsfonds Nachhaltig. Dieser noch sehr junge aber dafür extrem zeitgemäße stiftungsgeeignete Fonds muss sich noch ein wenig zurechtruckeln, die Ausschüttungen könnten hier künftig durchaus höher ausfallen als zuletzt. Beim CSR Ertrag Plus wiederum kann es durchaus sein, dass das Ausschüttungsniveau ebenfalls leicht zulegt, einfach weil das Portfolio etwas mehr zeigen kann als die momentan vereinnahmbaren gut 1,2% p.a. Damit ist der Fonds immer noch ein sehr guter Ersatz für auslaufende Bundesanleihen, die ja die Null mittlerweile mehr von unten betrachten.

Zusammengefasst

Das Prinzip Ordentlicher Ertrag ist eines der Grundgesetze in Stiftungen. Das Steuerprivileg muss verdient, das Vermögen dazu verwaltet werden. Ordentlichen Ertrag liefern nun viele Stiftungsfonds und stiftungsgeeignete Fonds erklecklich, es gibt dennoch Nuancen, auf die Stiftungen schauen sollten. Einige stiftungsgeeignete Fonds haben Potentiale für höhere Ausschüttungen, bei manchen Stiftungsfonds dürfte der Weg dem entgegen verlaufen. Ordentlicher Ertrag bedeutet eben nicht überall ordentlich Ausschüttung.

Tobias Karow

Tobias Karow
ist Gründer und Geschäftsführer von stiftungsmarktplatz.eu und im Stiftungswesen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein seit 10 Jahren aktiv. Er ist Herausgeber der FondsFibel für Stiftungen & NPOs (www.fondsfibel.de), Vorträge hält er vor allem zum Thema ‚Stiftungen und ihr Weg in die digitale Welt‘. Für beide Themen betreibt er den Blog #stiftungenstärken.

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