Fondsanlage für Stiftungen & NPOs | Tobias Karow | 05.08.2019 | Lesezeit: 2min50

Bei den Großen hakt es hier und da – TEIL II

Was bei Stiftungsfonds hier und da inzwischen fehlt

Neulich las ich in einem Newsletter, dass Stiftungsfonds besonders nachhaltig sind. Sie hätten ESG-Aspekte eher in ihre Anlagepolitik integriert als andere, die Qualität bei ESG sei höher als bei anderen Fonds. An dem Punkt kam ich ins Nachdenken, ob hohe ESG-Qualität auch mit einer hohen Qualität beim ordentlichen Ertrag einhergeht. Entsprechend haben wir bei den größten Stiftungsfonds hierzulande mal hinter die Kulisse geblickt.

Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen

ESG-Profil: Shareholder Value hat sich dem Thema Nachhaltigkeit schon recht umfassend angenommen. Einmal werden Ausschlüsse auch für den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen in Kooperation mit Sustainanlytics erarbeitet, das Unternehmen hebt hier auch den Aspekt des Risikomanagements explizit hervor. Unternehmen, die verantwortungsvoller wirtschaften, reduzieren die Risiken aus problembehafteten Aktivitäten resultierend. Dazu werden UN Global Compact sowie die Prinzipien für verantwortungsbewusste Investierens seitens der UN berücksichtigt. Nicht zuletzt gilt für das Haus der Europäische Transparenzkodex für Nachhaltigkeitsfonds, als Anleger lässt sich also auf einen Blick erfahren, wie Nachhaltigkeit in dem Fonds umgesetzt wird. Das hilft Stiftungen schon mal beim Abgleich mit der eigenen Anlagerichtlinie oder -vorgabe. Würde der Fonds beim Aspekt „verantwortungsbewusst“ jedoch vollends konsequent vorgehen, würden es Titel wie Amazon, Apple oder Facebook nicht mehr ins Portfolio schaffen, überhaupt wäre der Anteil amerikanischer Titel vermutlich etwas geringer (laut Halbjahresbericht vom 31.3.2019 sind sie aber sämtlich im Portfolio enthalten). Trotzdem ist das Informationsniveau hoch und die Titelselektion aus Sicht einer Stiftung heraus durchaus nachvollziehbar.
Ausschüttung: Im Mai und im November zuletzt rund 2 EUR je Anteil, bezogen auf den Anteilspreis von 114,05 EUR (Stand: 21.7.2019) ergibt sich daraus eine Ausschüttungsrendite von ansehnlichen 3,5% p.a. Interessant ist zudem, dass diese Ausschüttung relativ stabil „kommt“, was Stiftungen ein hohes Maß an Planungssicherheit gibt. An diesem Punkt lässt sich ein Haken machen.
Wertentwicklung letzte 5 Jahre p.a.: 3,4%; hierbei ist darauf hinzuweisen, dass der Fonds zuletzt eine kleine Schwäche ausbildete, diese jedoch begründbar ist mit der hohen Unsicherheit an den Märkten. Der Argumentation, die Märkte seien reif für eine weitere Korrektur, ist etwas abzugewinnen.
Fazit: Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen bringt ESG und Ausschüttung zusammen, wobei ESG vielleicht noch eine Spur stringenter durchgezogen werden könnte in der Portfolioumsetzung. Auf manchen relevanten Plattformen wie www.yoursri.de ist der Fonds noch nicht zu finden, dennoch ist das Informationsniveau im Marktvergleich sehr anlegerbezogen.

MEAG Fair Return

ESG-Profil: Als Anlagegrundsatz wird für den Fonds formuliert, dass „systematisch nachhaltig agierende Aussteller, die ihren finanziellen Erfolg mit Rücksicht auf Umwelt und Gesellschaft erzielen, ausgewählt werden“. Übersetzt heißt das, dass für den Fonds in Kooperation mit MSCI Best-in-Class-ideen in den Fonds einfließen, untermauert von bestimmten Ausschlüssen klassischer Art (Alkohol, Arbeitsrechte, Atomenergie, Embryonenforschung, Tabak, Tierversuche, usw.). Dies trifft aber nur auf Unternehmen zu. Nachhaltigkeit wird hierbei interpretiert als zukunftsfähige Unternehmenspolitik, ein Begriff der durchaus in die Nähe von Verantwortlichkeit zu setzen ist. Das Informationsniveau zum Thema Nachhaltigkeit kann hier noch nicht ganz mithalten, es gibt hier Konkurrenzprodukte die mehr Tiefe und Transparenz hinsichtlich ESG zeigen.
Ausschüttung: zuletzt 1,5%, mit sinkender Tendenz; Der Fonds liefert dennoch solide, planbare Erträge für eine Stiftung.
Wertentwicklung letzte 5 Jahre p.a.: 1,35% (Stand: 21.7.2019); Hierzu ist zu sagen, dass der MEAG Fair Return einer der lieferstärksten stiftungsgeeigneten Fonds in den vergangenen Jahren war, er aber das Profil als Allwetterfonds für Stiftungen ein wenig eingebüßt hat vielleicht ob der etwas zu granularen Streuung. Rücksetzer konnten nicht vollends aufgeholt werden, wobei die Fähigkeit zuletzt wieder aufzublitzen schien.
Fazit: Beim MEAG Fair Return kommen ESG und Ausschüttung zusammen, der Fonds taugt nach wie vor als Basisbaustein für ein Stiftungsportfolio, vor allem ob seines sehr auf das Reduzieren von Einzelrisiken ausgerichtete Anlagepolitik. Eine Einschränkung ist jedoch zu sehen: Sowohl beim Punkt Ausschüttung als auch beim Punkt ESG bleiben mittlerweile Fragen offen. Das ESG-Reporting-Niveau könnte besser sein, auch da mittlerweile kein Transparenzbericht von Rödl & Partner mehr für den Fonds erstellt wird. Bei den Ausschüttungen wird man sehen müssen, ob das Konzept höhere ordentliche Erträge im Umfeld des Zinsniveaus hergibt. Aber solides Handwerk sollte andererseits in keinem Stiftungsdepot fehlen.

Zusammengefasst

Es gibt sie, die Fonds die ESG und Ausschüttung zusammenbringen und hier eine hohes Qualitätsniveau zeigen. Fragt sich nur, ob es immer die großen Fonds sein müssen und ob Stiftungen hier immer gut aufgehoben sind. Bezüglich ESG gibt es noch konsequentere Ansätze, beim Thema Ausschüttung bieten andere wiederum noch etwas mehr. Stiftungen müssen eben auf verschiedenen Ebenen nach Qualität suchen.

Tobias Karow

Tobias Karow
ist Gründer und Geschäftsführer von stiftungsmarktplatz.eu und im Stiftungswesen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein seit 10 Jahren aktiv. Eines seiner Steckenpferde ist die Fondsanlage für Stiftungen & NPOs.

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